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Radsport Ravensburger vom Team Bora-hansgrohe in glänzender Form zur Tour de France / Streckenprofil mit vielen Anstiegen kommt dem 26-Jährigen entgegen

Die Hoffnungen ruhen auf Buchmann

Archivartikel

Brüssel.Marcel Kittel? In einer tiefen Krise. Pascal Ackermann und John Degenkolb? Bei der Tour nicht dabei. Mit deutschen Sprintsiegen dürfte es beim Höhepunkt in Frankreich schwer werden. Doch ein Bergfahrer weckt Hoffnungen auf den ganz großen Wurf.

Denn nach den jahrelangen Sprinter-Festspielen dürfen die Radsport-Fans in Deutschland erstmals seit langer Zeit wieder auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung bei der Tour de France hoffen. Kletterspezialist Emanuel Buchmann hat in jungen Jahren bereits bei der Frankreich-Rundfahrt überzeugt – und wirkt in diesem Jahr noch gefestigter und reifer, wie seine jüngsten Auftritte beim Criterium du Dauphiné zeigen. „Ich freue mich schon auf die Tour de France und hoffe, dort auch das eine oder andere Ergebnis einfahren zu können“, sagte Buchmann nach dem dritten Gesamtrang bei der Tour-Generalprobe im Juni.

Die Top Ten als Ziel

Sein bescheiden formuliertes Vorhaben: „Das Ziel sind die Top Ten.“ Das im Jahr 2019 stark auftretende Team Bora-hansgrohe führt Buchmann als Kapitän an, auch bei den Experten und Buchmachern wird der 26 Jahre alte Ravensburger vor dem Start in Brüssel an diesem Samstag zum erweiterten Favoritenkreis gezählt.

Rivale Nils Politt vom Team Katusha-Alpecin lobte: „Emu ist eine superstarke Dauphiné gefahren. Ich bin fest überzeugt, dass er in die Top Ten fahren kann. Er hat sich speziell auf die Tour vorbereitet. Er sieht verdammt dünn aus, was natürlich für einen Bergfahrer gut ist.“ Buchmann wird zugetraut, bei den ganz schweren Teilstücken in Vogesen, Alpen und Pyrenäen mit der Weltspitze mithalten zu können.

Vor exakt zehn Jahren schaffte es in Andreas Klöden letztmals ein Deutscher unter die Top Ten der Gesamtwertung, 2006 hatte Klöden die Tour als Zweiter abgeschlossen und somit für den letzten deutschen Podestrang auf den Champs-Élysées gesorgt. Das kletterlastige Profil mit einigen schweren Bergetappen und nur einem Einzelzeitfahren dürfte Buchmann entgegenkommen.

Bora-Teamkollege Maximilian Schachmann, der als deutscher Meister nach Brüssel reist, sagt über Buchmann: „Wenn er es schafft konstant zu fahren, traue ich ihm zu ganz weit vorne rein zu fahren. Er hat schon mehrfach bewiesen, dass er mit den Besten in den Bergen mitfahren kann.“ Nach dem Ausfall des viermaligen Toursieger Chris Froome und einem Sturz von Titelverteidiger Geraint Thomas (beide Team Ineos) bei der Tour de Suisse scheint es in diesem Jahr keinen klaren Favoriten zu geben – und damit für viele Geheimfavoriten keine unüberwindbare Hürde, wie es in den vergangenen Jahren das übermächtige Team Sky (Vorgänger von Ineos) darstellte.

Neuer Rundfahrer von Format

Die neuen Hoffnungen auf einen großen Rundfahrer von Format tun den deutschen Startern gut, denn die Sprint-Festspiele der vergangenen Jahre dürften in diesem Jahr endgültig enden. Nach 27 Etappensiegen bei den vergangenen sechs Frankreich-Rundfahrten fehlen in diesem Sommer neben dem bereits als „Kaiser“ titulierten Marcel Kittel (Trennung von Katusha-Alpecin) auch Pascal Ackermann und Routinier John Degenkolb, die nicht nominiert wurden. Der 36 Jahre alte André Greipel ist zwar dabei, aber nicht mehr so stark wie in früheren Jahren.

Statt der großen Stärke bei Massenankünften stehen die insgesamt elf deutschen Teilnehmer diesmal für Vielseitigkeit - und für einen kleinen Generationswechsel. „Allgemein muss man sagen, dass die jungen Deutschen den Durchbruch geschafft haben“, sagte Politt, der bei Paris-Roubaix im Frühjahr überraschend Zweiter wurde. Bei der Vergabe der Tagessiege dürften die Deutschen eher in Fluchtgruppen oder bei schwierigeren Teilstücken eine Rolle spielen.

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