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Basketball Huldigungen für den Würzburger NBA-Profi gehen weit über seine Bedeutung für den Sport hinaus

Die Welt verneigt sich vor Dirk Nowitzki

Dallas.Erleichtert verabschiedete sich Dirk Nowitzki nach einem Bilderbuch-Abend in sein künftiges „neues Leben“ als Basketball-Rentner – und freut sich nun auf „Pizza zum Frühstück“. Eine gigantische Lasershow und der Besuch von fünf Vorbildern um Legende Larry Bird rührten den vollkommen überwältigten Superstar zu Tränen, bevor er sich das Mikrofon schnappte und auf größtmöglicher Bühne sein persönliches Ende verkündete. „Das war mein letztes Heimspiel“, rief der gefeierte Korbjäger den jubelnden Fans der Dallas Mavericks zu. Nowitzki geht damit endgültig als einer der größten Athleten in die Geschichtsbücher des deutschen Sports ein.

Die „One More Year“ und „We Want Dirk“-Forderungen der Anhänger waren vergebens, ihr großes Idol hatte sich da längst gegen ein rekordverdächtiges 22. NBA-Jahr und für mehr Zeit mit seiner Frau Jessica und den drei Kindern entschieden. „Ich will den Kids Sachen ermöglichen, da freue ich mich richtig drauf“, sagte Nowitzki. Nun ist Schluss mit den vielen Flugreisen und der täglichen Quälerei im Leistungssport. Stattdessen sehnt der Ausnahmeathlet endlich die Dinge herbei, auf die er so viele Jahre verzichten musste: „Im Sommer mal nichts zu machen und an diesem Donnerstag Eis und eine Pizza zum Frühstück zu essen.“

„Pizza zum Frühstück“

Nach mehr als zwei Dekaden bei den Mavericks blickte Nowitzki auf eine schillernde Karriere mit vielen prägenden Erinnerungen zurück. „Es bleiben so viele Erfahrungen. Ich habe die Welt bereist, habe Freundschaften geschlossen, eine neue Heimat gefunden hier mit Frau und Familie. Ich kam damals mit 20 und war noch grün hinter den Ohren. Ich bin hier zum Mann aufgewachsen.“

Der 40-Jährige hatte schon vor Spielbeginn mit den Tränen zu kämpfen und musste sich diese auch während des 120:109-Sieges gegen die Phoenix Suns mehrere Male aus den Augen wischen. „Es war eine unglaubliche Reise“, rief der Würzburger. Sein langjähriger Coach Rick Carlisle konnte seine Wertschätzung für den Mensch und Sportler Nowitzki kaum in Worte fassen. „Du gibst so viel und bittest um so wenig – das inspiriert uns alle, bessere Menschen zu sein. Das ist dein größtes Vermächtnis“, sagte er.

Im letzten Heimspiel, das ausschließlich im Zeichen der schillernden Laufbahn des Deutschen stand, brachte es Nowitzki noch einmal auf 30 Punkte und überholte damit Basketball-Legende Michael Jordan als ältesten Spieler mit mindestens 30 Zählern in einem NBA-Spiel. Und plötzlich wurde die Halle dunkel und seine Idole Bird, Detlef Schrempf, Scottie Pippen, Shawn Kemp und Charles Barkley standen vor Nowitzki und huldigten dem Routinier. „Dirk, es war eine Ehre dir zuzuschauen. Das Spiel ist ein besseres wegen dir“, bekannte Bird. Barkley nannte ihn „den nettesten Menschen aller Zeiten“.

Die Überraschung für Nowitzki war seinem Herzensteam aus Texas bestens gelungen. „Das war ein sehr emotionaler Moment. Vielen Dank an (Team-Besitzer) Mark Cuban und an die Mavs. Sie haben das großartig gemacht, ich war sprachlos“, sagte Nowitzki, der in das Prozedere nicht eingeweiht war und angesichts des prominenten Besuchs verdutzt auf dem Parkett stand. „Alle fünf waren meine Idole. Der Einzige, der gefehlt hat, war Michael Jordan, er war meine Nummer eins“, sagte Nowitzki.

Kein Comeback

Sprachlos war aber nicht nur der 40-Jährige, sondern auch seine Weggefährten, schließlich hatte Nowitzki fast niemanden in seinen endgültigen Entschluss („Die Comeback-Chancen stehen bei null Prozent“) eingeweiht. Die Verkündung zu diesem Zeitpunkt kam überraschend, hatte Nowitzki doch wenige Tage zuvor noch eine Entscheidung im Familienurlaub in der Karibik angekündigt – zu einem Zeitpunkt, als er seinen Entschluss schon gefasst hatte.

Das sportlich bedeutungslose Spiel gegen Kellerkind Phoenix wurde im ausverkauften American Airlines Center zu einer einzigen Dirk-Show. Schon vor dem Spiel lagen tausende Nowitzki-Masken auf den Sitzen, Mitarbeiter der Mavericks, darunter auch Coach Carlisle, trugen fast alle Shirts mit der Aufschrift „41.21.1.“. Die 41 ist Nowitzkis Rückennummer, 21 Jahre spielte er für diesen einen NBA-Club.

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