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Fußball Hinter den Plänen zu einer europäischen Superliga stehen vor allem die Verteilungskämpfe um das große Geld

Diskussion geht trotz Bekenntnis weiter

Berlin/München.Mia san Bundesliga – und langfristig auch Champions League? Nach dem vorerst klaren Bekenntnis des FC Bayern zu den bestehenden Wettbewerben geht die Debatte um eine europäische Super League unvermindert weiter. Das Thema Bundesliga-Ausstieg sei für die Münchner nach Prüfung „verworfen“ und „erledigt“, betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Wochenende. Die Verteilungskämpfe um die großen Geldtöpfe werden aber auch weiter die Zukunft des internationalen Fußballs und der Königsklasse bestimmen.

„Im Fußball halte ich alles für möglich“, sagte Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, am Wochenende zu einem Zusammenschluss der Top-Clubs. Gerade für ausländische Vereine mit Investoren sei dies eine andere Welt. „Am besten noch den Auf- und Abstieg abschaffen, dann hast du Planungssicherheit. Das kann schon sein. Und ich will das auch gar nicht zu negativ sehen.“

„Kulturgut“ Bundesliga

Dass der aktuelle Tabellenführer die Bundesliga als „deutsches Kulturgut“ verlassen werde, schloss Watzke dagegen kategorisch aus. Zuvor hatte schon Rummenigge sich zur „Mitgliedschaft“ in der Bundesliga und zur Europäischen Fußball-Union UEFA als Organisator der internationalen Wettbewerbe bekannt: „Das war nie bei uns ein Thema, dass infrage gestellt wurde.“ Doch der Bericht des Magazins „Der Spiegel“, dass die Bayern 2016 einen Bundesliga-Ausstieg prüften, sorgte auch in der Liga für reichlich Gesprächsstoff.

Realistischer als eine zeitnahe Herauslösung einzelner Clubs aus den nationalen Ligen ist aber ohnehin, dass eine Super League zumindest als Drohkulisse in Verhandlungen über den Verteilungsschlüssel der Champions-League-Einnahmen wieder auftaucht. Für den derzeitigen Zyklus bis 2021 hatten die besten vier Ligen Europas dabei jeweils vier feste Startplätze erhalten.

Bis September 2017 saß auch Rummenigge noch als Vorsitzender der Europäischen Clubvereinigung ECA am Tisch. Der Bayern-Vorstandschef verweist zurecht darauf, dass auch die Einnahmen für beispielsweise Schachtjor Donezk gestiegen sind – die finanzielle Kluft zur europäischen Elite wird trotzdem immer größer. Und auch sportlich ist die Champions League zumindest ab Mitte März regelmäßig schon längst eine Super League. In den vergangenen fünf Jahren standen abseits der fünf großen Ligen nur jeweils einmal der FC Porto und Benfica Lissabon im Viertelfinale. Der FC Bayern und Barcelona sowie Real Madrid waren jedes Mal dabei.

Keimzelle Madrid

Die Königlichen spielen auch im „Spiegel“-Bericht eine zentrale Rolle. So solle eine Beraterfirma im Oktober Pläne für die Einführung einer Super League vorgelegt haben, hieß es. Sollten die großen Clubs trotz aller Dementis doch irgendwann beschließen, sich abseits der Uefa in einem Wettbewerb zu organisieren, würde ihnen aus Sicht des Zusammenschluss der Europäischen Ligen Ungemach drohen. Die Organisation wäre „im Falle dieser Entscheidung gefordert, auch diese großen Clubs von den nationalen Ligen auszuschließen“, sagte Georg Pangl, Generalsekretär der European Leagues.

Bevor es so weit kommt, setzt DFB-Präsident Reinhard Grindel aber auf einen Interessensausgleich. „Ziel der jetzt anstehenden Beratungen über die Reform der Club-Wettbewerbe auf Ebene der Fifa und Uefa muss es sein, für eine gerechte Balance der Interessen der größeren Clubs und des fairen Wettbewerbs in den nationalen Ligen zu sorgen“, sagte Grindel. dpa

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