Sport

Wintersport Wenig winterliches Wetter führt zur Absage mehrerer Großveranstaltungen / Skispringer zum Training nach Skandinavien

Dreck, Rasen und ein Rest Kunstschnee

Titisee-Neustadt.Winter-Wunderland war gestern, heute erwartet Wintersportler eher ein Flug oder eine Fahrt ins Grüne. Das Wetter spielt vor allem im November und Dezember immer seltener mit. Statt Partystimmung beim Heim-Weltcup heißt es: trainieren im Norden oder am Stützpunkt.

Der Hang der Skisprungschanze im Schwarzwald sieht aus wie ein Schlachtfeld. Grüne und graue Flecken, Matsch, Dreck und ein Rest von Kunstschnee, mit dem die Anlage in Titisee-Neustadt für die große Weltcup-Sause an diesem Wochenende hätte präpariert werden sollen. In dem Auslauf ist mit etwas Fantasie allerlei vorstellbar, zum Beispiel eine kleine Schlammschlacht oder eine rasante Fahrt mit dem Schlitten. Was absolut nicht möglich ist: drei Skisprung-Wettbewerbe auf der Hochfirstschanze. Schon am Dienstag hatte der Weltverband FIS die Station deshalb ersatzlos aus dem Programm gestrichen.

Bundestrainer: „Doppelt schade“

„Da kann man nichts machen. Man muss sich in Zukunft noch mehr auf die Witterung einstellen“, sagte Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Für das Team um Katharina Althaus und Olympiasiegerin Carina Vogt hätte das Wochenende im Schwarzwald ein ganz besonderes werden sollen: Erstmals waren Wettkämpfe von Männern und Frauen in Deutschland am selben Tag auf derselben Schanze angesetzt. „Für uns doppelt schade“, erklärte Bauer.

Auch der Deutsche Skiverband (DSV) und das emsige Organisations- und Arbeitsteam vor Ort bedauerten die Absage. „Wir haben alles versucht“, sagte ein Sprecher. Doch den Wettstreit mit der Witterung konnten sie nicht gewinnen.

Dauerregen sorgt für Verdruss

Am Montag hatten die Organisatoren noch das Schanzenteam, den Bauhof und „unser Tretkommando“ für den Einsatz am vergangenen Wochenende gelobt. Doch schnell war klar: Gegen tagelangen Dauerregen, dauerhafte Plusgrade und angesagte Windböen am Wochenende hilft alle Schneebelegung der Welt nichts. „Das sind Herausforderungen, denen sich der Weltverband stellen muss“, erklärte Bauer.

Die Kombinierer müssen nun nach Skandinavien, um auf der Schanze in Lillehammer zu trainieren. Für Bauer und die Skispringerinnen geht’s nach Seefeld. „Da geht’s gerade so“, sagte er zu den Bedingungen in Tirol. Die DSV-Adler um Olympiasieger Andreas Wellinger ziehen nach stressigen Reisewochen die Regeneration vor und setzen ihre Vorbereitung an den heimischen Stützpunkten fort.

Die Skispringer im Schwarzwald sind mit ihrer Absage nicht alleine. Auch der Weltcup der Ski- und Snowboardcrosser im Montafon in Österreich kann nicht stattfinden, weil nicht genügend Schnee produziert werden konnte. Auch einige alpine Rennen werden verschoben oder verlegt, es drohen Ausfälle und ein Termin-Durcheinander. Wie besorgt die Veranstalter sind, zeigt der Langlauf-Weltcup in Dresden. Die Produktion von Kunstschnee in einem Hangar am Flughafen hat dort bereits begonnen. Die Rennen finden aber erst Mitte Januar statt.