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Sportpolitik Bund will deutschen Top-Ligen angesichts fehlender Zuschauereinnahmen mit 200 Millionen Euro helfen / Auch die 3. Liga der Fußballer soll profitieren

Ein erstes Licht am Ende des Tunnels

Berlin.Die Top-Ligen im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball sowie auch die 3. Fußball-Liga können mit größerer Zuversicht dem Start der nächsten Saison entgegensehen. Sie erhalten vom Bund eine Nothilfe von 200 Millionen Euro. Darauf einigten sich die Arbeitsgruppen der Koalitionsfraktionen am Dienstag, wie der CDU-Politiker Frank Steffel bestätigte. „Ich habe die große Hoffnung, dass in den meisten Ligen alle Vereine unter schwierigen Bedingungen die kommende Saison überstehen und wir nicht mit Insolvenzen in der laufenden Spielzeit konfrontiert werden“, sagte der Initiator des Hilfspakets, das am Donnerstag im Bundestag verabschiedet werden soll.

Daniel Hopp nahm die Entscheidung erleichtert zur Kenntnis. „Das ist eine guter und wichtiger Schritt für den Profisport“, sagte der Geschäftsführer der SAP Arena und Gesellschafter der Adler Mannheim aus der Deutschen Eishockey Liga. „Das könnte der richtige Weg und ein Anfang sein“, kommentierte Jennifer Kettemann die gefundene Lösung. „Man muss jetzt natürlich schauen, unter welchen Bedingungen dieses Programm dann zum Tragen kommt“, sagte die Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen auf Anfrage dieser Redaktion.

Maximal 800 000 Euro

Die Nothilfe sieht vor, dass die ausbleibenden Zuschauereinnahmen in den Monaten April bis Dezember 2020 mit 80 Prozent der Nettoerlöse nach Abzug der Verkaufsgebühren und Mehrwertsteuer erstattet werden. Maximal könne ein Verein eine Zuwendung von 800 000 Euro erhalten, wenn er zuletzt mehr als eine Million an Zuschauereinnahmen gehabt habe. „Wenn ein Verein 100 000 Euro Einnahmen gehabt hätte, würde er 80 000 Euro bekommen“, erklärte Steffel, der ehrenamtlicher Präsident des Sportvereins Reinickendorfer Füchse in Berlin ist.

Hopp geht davon aus, dass seine Adler mit dem maximalen Nothilfe-Betrag rechnen können: „Da wir zuletzt deutlich mehr als eine Million Euro Zuschauereinnahmen hatten, würden uns die 800 000 Euro wohl zustehen. Aber das muss im Detail geprüft werden.“

Profitieren kann vom Notpaket unerwartet auch die 3. Fußball-Liga der Männer. Ohne diese Hilfe wären unter den Vereinen aus kleineren und mittelgroßen Städten besonders im Osten des Landes – trotz beträchtlicher Gehaltsreduzierungen – Insolvenzen zu erwarten, meinte Steffel. Dies sei sehr glaubwürdig gemacht worden. „Es gab aber eine politische Diskussion über die schwierige Kommunikation der 3. Liga, die sich viel miteinander gezankt haben“, sagte Steffel. Die Drittligisten sollten aber nicht dafür bestraft werden, dass sie sich ungeschickt verhalten hätten. „Wenn in Halle, Magdeburg oder Chemnitz, Dresden oder Rostock die Clubs erstmal weg wären, gilt das Gleiche wie anderswo: Dann kommen sie nicht mehr auf die Füße“, sagte Steffel.

Entsprechend positiv nahm deshalb auch Markus Kompp die Signale aus Berlin auf. „Wir hatten bewusst öffentlich keine finanzielle Hilfen gefordert, freuen uns nun jedoch sehr über die notwendige Unterstützung durch die Politik. Es ist ein schönes und wichtiges Zeichen zum Erhalt der Vereinsvielfalt in den jeweiligen Sportarten“, sagte der Geschäftsführer des Mannheimer Drittligisten SV Waldhof. Laut einer Rechnung Kompps entgehen dem SVW pro Geisterspiel zwischen 200 000 und 250 000 Euro aus Zuschauereinnahmen, Catering und dem Verkauf von Fan-Artikeln. „In dieser Saison lag der Ausfall damit im siebenstelligen Bereich“, so der Waldhof-Manager.

Auch Sportverbände dürfen hoffen

Neben den Vereinen aus den ersten beiden Bundesligen im Basketball, Handball, Eishockey und Volleyball plus der 3. Liga im Fußball könnten in besonderen Fällen auch Sportverbände Zuwendungen aus diesem Topf erhalten. Zum Beispiel bei Einnahmeausfällen bei der Ausrichtung eines Final-Four-Turniers in einem deutschen Pokal-Wettbewerb oder von Länderspielen.

„Ich gehe davon aus, dass alle Vereine, die zahlende Zuschauer haben, von diesem Paket partizipieren werden“, sagte Steffel. „Außerdem leisten wir damit einen wesentlichen Beitrag zur Lizenzierung, weil die Ticket-Einnahmen ein relativ großer Anteil bei den Lizenzverfahren sind.“ Seriös hätte man vielen Vereinen sonst keine Lizenzen für die kommende Saison erteilen können.

Er sei dankbar, dass die Koalitionspartner und der Haushaltsauschuss seiner Initiative gefolgt seien: „Das ist ein wichtiger Beitrag des Bundes zum Erhalt des dezentralen Profisports und vieler Leuchttürme des Sports“, meinte Steffel.

Ob das Geld ausreichen wird, um die Topligen durch die Corona-Krise zu bringen, ist für ihn nicht unbedingt sicher. Steffel: „Wenn es in der Rückrunde in den Ligen weiterhin massive Einschränkungen bei den Zuschauern geben sollte – wovon ich leider ausgehe –, dann werden wir darüber reden müssen, ob die Mittel erhöht werden müssen.“ 

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