Sport

Basketball Der Protest im US-Sport gegen Rassismus und Polizeigewalt erreicht neue Stufe / Milwaukee Bucks treten mit Play-off-Protest Lawine los / Trump übt Kritik

Ein Tag für die Geschichtsbücher

Archivartikel

Orlando.Die ergreifende Protestnote der Milwaukee Bucks aus den Arena-Katakomben von Orlando trifft die aufgewühlten USA mit voller Wucht und setzt eine historische Zäsur. Am Jahrestag der ersten Anti-Rassismus-Aktion von NFL-Profi Colin Kaepernick folgen Sportler landesweit in zuvor noch nie da gewesener Art und Weise mit klaren Zeichen gegen Polizeigewalt und Rassismus in ihrem tief gespaltenen Land. Ausgelöst vom beispiellosen Play-off-Boykott der Basketballer aus Milwaukee verzichteten am Mittwoch (Ortszeit) Teams und Spieler in der NBA, MLB, MLS und WNBA auf ihre Wettkämpfe. Die nahe Zukunft der Sportwettbewerbe ist ungewiss, auch Saisonabbrüche sind längst nicht mehr ausgeschlossen.

US-Präsident Donald Trump hat die Proteste kritisiert. „Sie sind wie eine politische Organisation geworden. Ich denke nicht, dass das gut für den Sport oder für das Land ist“, sagte Trump am Donnerstag in Washington. Er wisse nicht viel über den Protest in der NBA, sagte Trump zugleich. Aber er wisse, dass ihre TV-Quoten „sehr schlecht waren“, weil die Leute der NBA etwas überdrüssig geworden seien.

In der Sportwelt hinterlässt das Auftreten der Bucks um Superstar Giannis Antetokounmpo tiefen Eindruck. Nahezu komplett in Schwarz tritt das Team vor die Medien, um mit wuchtigen Worten seine Position darzulegen. Zuvor war der Titelkandidat einfach nicht zu seinem Play-off-Spiel gegen die Orlando Magic erschienen. Worte sind genug gesprochen, es ist Zeit für Taten – das ist die Botschaft, die ausgerechnet aus dem Gute-Laune-Park Walt Disney World Ressort in die Welt geht.

Obama: „Ich preise die Spieler“

Wir fordern Gerechtigkeit für Jacob Blake und dass die beteiligten Officers zur Rechenschaft gezogen werden“, sagen George Hill und Sterling Brown, stellvertretend für ihre Teamkollegen. Sie fordern, „nach Monaten der Inaktivität bedeutsame Maßnahmen zu ergreifen“, um Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen und die Themen „Polizeigewalt und Reform der Strafjustiz“ endlich anzugehen. Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen Schwarzen am Wochenende hat viele Spieler ein weiteres Mal schwer getroffen. Die Heimstätte der Bucks liegt nicht einmal eine Stunde von dem Ort entfernt, an dem Blake von hinten niedergeschossen wurde.

Nach dem Boykott der Bucks sagte die NBA alle drei für Mittwoch geplanten Play-off-Partien ab, die für Donnerstag angesetzten Spiele werden verschoben. Am Mittwoch stand der Sport auch bei den Kolleginnen aus der WNBA, in der Baseball-Liga MLB und bei den Fußballern der MLS still. Beim von Cincinnati nach New York verlegten Masters-1000-Turnier der Tennisprofis kündigte Grand-Slam-Champion Naomi Osaka an, zu ihrem Halbfinale am Donnerstag nicht anzutreten. Die Veranstalter sagen kurz darauf alle vier Halbfinals bei den Damen und Herren für Donnerstag ab und verkünden eine Spielpause bis Freitag. Auch die NHL setzt ihre Eishockey-Play-offs aus.

Von Profisportlern aus der NBA und der NFL gibt es Zuspruch für den Schritt der Bucks. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama schreibt: „Ich preise die Spieler der Bucks, die einstehen dafür, woran sie glauben, Trainer wie Doc Rivers und die NBA und WNBA dafür, ein Zeichen zu setzen. Es wird all unsere Institutionen brauchen, um für unsere Werte einzustehen.“

Wie es in der NBA weitergeht, war und ist Bestand heftiger Diskussionen. In einem hoch emotionalen Spieler-Meeting sollen sich die Los Angeles Lakers angeführt von Superstar LeBron James für einen Abbruch der Play-offs ausgesprochen haben. 

Zum Thema