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Basketball Trotz einer tollen Leistung in Vechta verpasst Bundesliga-Aufsteiger Crailsheim Merlins die Meisterschaft in der 2. Liga ganz knapp

Ein Wermutstropfen – mehr aber auch nicht

Archivartikel

Spiel 1: Crailsheim Merlins – Rasta Vechta 87:103 (22:22, 19:22, 22:31, 24:28)

Crailsheim: Gay (24 Punkte), Wysocki (15/davon 2 Dreier), Turner (15/1), Herrera (11), Cuffee (7/1), Griffin (7/1), Marks (4), Neumann (3), Bogdanov (1), Smith, Jost, Flomo. Zuschauer: 1947

Spiel 2:

Rasta Vechta – Crailsheim Merlins 62:71 (20:24, 17:20, 15:16, 10:11)

Crailsheim: Wysocki (19/3), Gay (13), Cuffee (12/2), Turner (10/1), Neumann (9), Marks (5/1), Bogdanov (3/1), Herrera, Griffin, Jost. Zuschauer: 3140 (ausverkauft)

Als einzigem Team der ProA-Saison 2017/2018 ist es den Crailsheim Merlins gestern gelungen, in Vechta zu gewinnen. Der starke 62:71-Erfolg reichte am Ende nicht ganz, um im Finale der Playoffs, das nur in Hin- und Rückspiel entschieden wurde, den Niedersachsen den Titel in der 2. Basketball-Bundesliga streitig zu machen. An einer herausragenden Saison der Merlins rüttelt dieser kleine Wermutstropfen aber kaum.

Der Rahmen war nahezu perfekt. Mehr als 200 Fans der Crailsheim Merlins standen auch nach dem unglücklichen Hinspiel, aber eben auch nach dem feststehenden Aufstieg, nach einer überragenden Saison und nach fast 600 Kilometer Anfahrt als Einheit hinter ihrem Team.

Bei aller Deutlichkeit im Hinspiel konnte es nur Vorgabe beider Coaches sein, dass ihre Teams das Resultat von Freitagabend aus den Köpfen streichen mussten, um sich auf diese letzte und alles entscheidende Aufgabe in Vechta zu fokussieren. Dennoch, der Weg für die Merlins war klar. Es musste ein offensiver Sahnetag her, um die minimale Chance auf den Titel am Leben zu halten.

Doch die heimstarken Niedersachsen gestatteten den Zauberern keinen großen Run. Die Chance, virtuell auf zehn Zähler Rückstand in der Addition zum Hinspielergebnis zu verkürzen, blieb zum Ende des ersten Viertel ungenutzt, dennoch führte man im Rückspiel knapp (24:20). An Energie mangelte nicht bei den Merlins, die engagiert darum kämpften, diesem Spiel eine andere Richtung zu geben als dem Hinspiel. Allen voran ging Konrad Wysocki, der nach 20 Spielminuten bereits 13 Punkte und 12 Rebounds auf dem Konto hatte! Damit hatte der 51-fache Nationalspieler sein zu einem zwischenzeitlichen 44:37-Vorsprung geführt. Am Ende standen 19 Zähler und satte 21 Rebounds für Wysocki zu Buche.

Hatten die Zauberer zu Beginn der zweiten Hälfte die Chance, noch weiter an der Sensation zu arbeiten, machten einige Ballverluste die Bemühungen zum Ausbau der Führung zunichte. Mike Cuffee erlöste die Nerven der mitgereisten Fans und traf per Dreier zum 55:48. Die „magische“ /ehn-Punkte-Marke knackten die Crailsheimer aber zunächst nicht. Vor dem Schlussabschnitt hatten die Merlins die Hypothek aus dem Hinspiel immerhin halbiert (60:52).

Mit dem Selbstvertrauen und den Fans im Rücken erwischten die Merlins den besseren Start ins für beide Teams erst einmal letzte Zweitligaviertel. Spätestens mit dem 67:54 zugunsten der Zauberer erreichte die Temperatur in der Halle den Siedepunkt. Ein Dreier fehlte den Merlins zum Ausgleich, doch dieser gelang den Crailsheimern nicht.

Die hängenden Köpfe der Profis nach der verpassten Chance auf den Meistertitel dürften spätestens zu erhobenen Häuptern werden, wenn die Merlins am heutigen Montag auf dem Marktplatz am Rathaus in Crailsheim eine sensationelle Saison für den Crailsheimer Basketball feiern. Ab 18.30 Uhr präsentiert sich das Team um Tuomas Iisalo seinen Fans noch einmal.

Stimmen zum Spiel

Tuomas Iisalo (Headcoach Crailsheim Merlins): „Mein erster Gedanke zu diesem Team: Großartig. Es war eine magische Saison und ich bin sehr glücklich, Teil davon gewesen zu sein. Nach dem sehr schlechten Heimspiel haben wir heute noch einmal den wahren Charakter dieses Teams gesehen: Kein Ausfall, jeder hat für den anderen gekämpft und für den Club alles gegeben. Leider hat es am Ende nicht für den großen Wurf gereicht. Aber das schmälert unseren Erfolg nicht. Vielleicht wird irgendwann in der Zukunft die größte Erinnerung die lebenslange Bindung zwischen diesen Spielern untereinander und zu diesem Club sein. Jeder, der in dieser Saison Teil des Ganzen war, kann stolz sein.“ Ingo Enskat (Sportdirektor Crailsheim Merlins): „Das war ein toller Abschluss der Saison. Die Mannschaft hat noch einmal richtig Charakter gezeigt. Trotz der Heimniederlage sind die Jungs stark ins Spiel gegangen. Jeder hat gesehen, dass man dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte. Kompliment an die Trainer und das Team, die hier nochmal fokussiert zur Sache gegangen sind. Bei 13 Punkten Führung lag der Titel sogar noch einmal in der Luft. Auch wenn es dann nicht gereicht hat, war es eine tolle Saison. Darum kommt alle am Montag zum Rathausplatz, um die Mannschaft gebührend zu verabschieden.“ mw