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Biathlon Beim Weltcup-Auftakt am Wochenende in Östersund ist Laura Dahlmeier nur noch interessierte Beobachterin

Eine Saison ohne den Fixstern

Östersund.Manchmal grübelt Laura Dahlmeier (Bild), ob sie mit ihrem frühen Karriereende wirklich alles richtig gemacht hat. „Ich habe schon mal überlegt, ob das alles nicht ein bisschen vorschnell war“, sagte die Doppel-Olympiasiegerin. Doch ihre letzte Biathlon-Waffe hat die 26-Jährige für einen guten Zweck längst verkauft – und auch nicht bereut. „Ich habe diesen Schritt konsequent vollzogen“, sagte Dahlmeier, die sich trotzdem auf den Saisonstart der Skijäger ab Samstag in Schweden freut: „Für mich steht Uni an. Aber ich werde gebannt schauen, wie sich die anderen schlagen.“

Vieles hat sich im Leben der Garmisch-Partenkirchnerin verändert, seit sie Mitte Mai für viele überraschend einen Schlussstrich unter ihre Laufbahn zog. Zweimal Olympia-Gold, sieben WM-Titel, souveräner Triumph im Gesamtweltcup, Deutschlands Sportlerin des Jahres 2017. Dahlmeier hat in ihren gerade mal sechs Jahren im Biathlon-Weltcup die Szene beherrscht. Doch es fehlten neue Ziele und die Motivation, sich weiter in dem Sport zu schinden, der ihr einst die größte Freude brachte. Zu groß war ihr innerer Drang nach Freiheit, nach einem selbstbestimmten Leben fernab der Zwänge des Leistungssports.

Mit den Herausforderungen ist es für die Hobby-Bergsteigerin aber längst nicht vorbei. Dahlmeier bleibt ehrgeizig. Der Sport-Ruhestand wurde für sie ganz schnell zum Unruhestand. Mitte des Monats startete Dahlmeier bei der Berglauf-WM in Argentinien wieder im deutschen Nationaltrikot. Sie hatte bei dem schweren Rennen über 42 Kilometer mit 2100 Höhenmetern große Angst, vielleicht Letzte zu werden, kam jedoch im Mittelfeld an und sagte dem ZDF hinterher: „Die Messlatte liegt immer extrem hoch bei mir. Das ist nicht immer einfach.“

Deswegen suchte sie sich auch eine neue Aufgabe und studiert Sportwissenschaft an der TU München. Ihr größtes Problem: „Es fällt mir da gar nicht so leicht, den ganzen Tag still zu sitzen.“ Bergsteigen, Mountainbike-Touren, viel Zeit an der frischen Luft – eigentlich ist das das Leben des „Kinds der Berge“, wie sich Dahlmeier selbst schon mal nennt. Doch es sei ihr wichtig gewesen, auch etwas für den Kopf zu tun.

Chance für andere

Während ihre früheren Teamkolleginnen am Wochenende in Östersund die Auftaktrennen des WM-Winters bestreiten, kann Dahlmeier sich anderen Dingen widmen. „Lange nachtrauern darf und soll man nicht“, sagte Bundestrainer Kristian Mehringer. Dahlmeiers Ausscheiden sei ein Verlust, der alleine von einer Athletin im Team nicht aufgefangen werden könne. „Wir sehen jetzt aber eine Chance für die anderen Athletinnen“, sagte der Coach.

Die WM 2017 in Hochfilzen war der Glanzpunkt von Dahlmeiers Laufbahn. In sechs Rennen holte sie fünfmal Gold und einmal Silber. Erst vor wenigen Wochen wurde Dahlmeier wieder an diese Erfolge erinnert, als sie in Frankfurt zu einer „Legende des Sports“ gekürt wurde.

Beim SportpresseBall nahm sie die Ehrung gemeinsam mit Magdalena Neuner in Empfang. Die Rekordweltmeisterin trat genau wie Dahlmeier mit nur 25 Jahren zurück. Während die Wallgauerin bereits zweifache Mutter ist, hat Dahlmeier zunächst ganz andere Pläne.

Dahlmeier und Neuner verbindet aber doch viel. Denn als Gesichter ihres Sports bleiben sie im Gespräch. Ziemlich überraschend wird nun auch Dahlmeier TV-Expertin und steht Ende Dezember beim Weltcup in Frankreich erstmals für das ZDF vor der Kamera. Neuner macht den Job für die ARD. dpa

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