Sport

Springreiten Fünffacher Olympiasieger Hans Günter Winkler ist im Alter von 91 Jahren gestorben

Eine Symbolfigur seiner Zeit

Warendorf.Der Ritt mit schmerzverzerrtem Gesicht hat Hans Günter Winkler (Bild) zu einer Legende des Pferdesports gemacht – und sein Pferd Halla weltberühmt. Die kleine Stute trug den verletzten Springreiter 1956 zu olympischem Doppel-Gold. Diese Geschichte musste der Warendorfer Winkler immer wieder erzählen – und er tat es sehr gerne und ausführlich. Bis zuletzt, bis kurz vor seinem Tod in der Nacht zum Montag.

Zwei Jahre nach dem Wunder von Bern folgte das Wunder von Stockholm. Der Sieg bei den von Melbourne nach Schweden ausgelagerten olympischen Reiterwettbewerben hatte eine ähnlich historische Dimension wie der WM-Sieg der deutschen Fußballer. Die Geschichte des verletzten Reiters und des treuen Pferdes passte ganz wunderbar zum Mythos des mühevollen Neubeginns nach dem Krieg und zum Wiederaufbau.

Legendärer Gold-Ritt

Winkler wurde einer der großen Sport-Helden seiner Zeit, weil er sich in der ersten Runde der Einzel- und Mannschafts-Entscheidung so schwer an der Leiste verletzt hatte, dass er eigentlich hätte aufgeben müssen. Er tat es aber nicht. Er setzte sich wieder auf die Stute. Und er ritt trotz starker Schmerzen. Obwohl er Halla beim zweiten Durchgang kaum helfen und durch den Parcours dirigieren konnte, ritt er mit der tapferen Stute ohne Fehler: Deutschland gewann Team-Gold und Winkler auch noch Einzel-Gold.

„Dieses wunderbare Pferd machte mir die größte Liebeserklärung, indem es am langen Zügel nur begleitet von meinen Schmerzensschreien über jeden Sprung ohne Fehler ging“, lautete eine von Winklers zahlreichen Beschreibungen. Sie schienen mit der Zeit immer blumiger zu werden. Sie sei „eine Mischung aus Genie und irrer Ziege“ gewesen, lautete eine weitere Beschreibung. „Halla hat gemerkt, was los ist, und hat mir aus der Patsche geholfen“, sagte Winkler kurz vor seinem 90. Geburtstag.

Der mit Ausdauer und Zähigkeit erkämpfte Erfolg machte Winkler zu einer Symbolfigur seiner Zeit. Er prägte die sportliche Geschichte der Nachkriegsjahre, und der Krieg und die Jahre danach prägten ihn. Sänger hatte der in Barmen geborene Reiter als junger Mann mal werden wollen. Dann kam der Krieg. Er er- und überlebte das Ende des Grauens als Flakhelfer. „Da war die Zeit des Singens vorbei“, sagte er. Sein Vater fiel kurz vor Kriegsende, seine Familie begann bei Null. So erzählte er es noch vor zwei Jahren.

Sportlich ist Winkler als Springreiter noch immer unerreicht. Den zwei Goldmedaillen von 1956 folgten nicht weniger als drei weitere Olympia-Siege. Unter anderem 1972 in München, wo es im Vorfeld einen unschönen Streit um die Besetzung der deutschen Mannschaft gegeben hatte.

Seine Karriere beendete Winkler 1986 in Aachen, wo er neben vielen Siegen beim CHIO auch dreimal den Großen Preis gewann. Und dort, im größten Reitstadion der Welt, genoss er 2016 eine große Gala zu seinen Ehren. Wie kein Zweiter habe Winkler für Erfolg als Ergebnis von Wille, Leidenschaft und Einsatzbereitschaft gestanden, sagte Carl Meulenbergh, Präsident des CHIO-Ausrichters ALRV. Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, sagte: „Winkler war während seiner Karriere ein großer Sportler und hat auch nach seiner aktiven Zeit unendlich viel für unseren Sport getan.“