Sport

Olympia IOC-Boss Bach kontert Kritik: Noch vier Monate Zeit

Enorme Zweifel an fairen Spielen

Frankfurt.Während das Olympische Feuer am Donnerstag auf den Weg nach Japan war, erlischt die Flamme der Begeisterung bei Athletinnen und Athleten für die Sommerspiele immer mehr. Der Traum jedes Sportlers ist durch die Coronavirus-Pandemie für viele zum Alptraum geworden. „Jeder Tag, an dem die Sportler nicht trainieren können, wird es schwieriger, dass faire Spiele stattfinden können“, sagte Max Hartung, Vorsitzender des Vereins Athleten Deutschland. Dem für die Tokio-Spiele qualifizierten Säbelfechter fällt es wie vielen anderen schwer, Olympia abzuschreiben, weil es ein „Fixpunkt im Leben“ sei.

Ähnlich schwer tat sich Marathonläufer Philipp Pflieger, trotz des Sehnens nach einem Start bei Olympia für sich die Notwendigkeit zu erkennen, dass die Tokio-Spiele nicht wie geplant am 24. Juli eröffnet werden sollten. „Wenn eines in Stein gemeißelt ist: dann die Olympischen Spiele“, habe er gedacht. Nun meint er: „Im Gegenteil: Ich halte eine Verschiebung um ein bis zwei Jahre inzwischen nicht nur für realistisch, sondern für das Beste.“ Deshalb fordert der gebürtige Sindelfinger „ein dringend überfälliges Statement von Seiten des IOC, das sich an der Realität orientiert“ und keine „inhaltslosen Durchhalteparolen“ mehr.

Für die zweimalige Olympia-Teilnehmerin im Schwimmen, Alexandra Wenk, ist es unverständlich, dass das größte Sportereignis der Welt noch nicht abgesagt wurde. Sommerspiele in dieser Situation wären „absurd und völlig irrelevant“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung.“

Klare Position gegen eine Austragung bezog als erstes IOC-Mitglied Hayley Wickenheiser. Sie bezeichnete die Coronavirus-Krise als „größer als die Olympischen Spiele“. Wickenheiser gehört der Athletenkommission des IOC an und gewann mit Kanada viermal Olympia-Gold im Eishockey. Und sie weiß, wovon sie spricht: Als angehende Medizinerin arbeitet sie in der Notaufnahme.

Einmal mehr auf der Linie von IOC-Präsident Thomas Bach bewegt sich dagegen die Athletenchefin des IOC, Kirsty Coventry. Sie ermutigte in einer Telefonkonferenz mit 220 Athletenvertretern „weiter das zu tun, was sie tun“, und betonte danach, dass die „Athleten zu den Spielen nach Tokio fahren“ wollen.

Bach zeigte sich über diesen „konstruktiven Austausch“ erfreut und versicherte, dass bei allen Erwägungen die Sicherheit und Gesundheit oberste Priorität habe. Erneut bekräftigte der Fecht-Olympiasieger von 1976, dass eine Entscheidung – Olympia ja oder nein – noch Zeit habe: „Wir haben noch mehr als vier Monate vor uns.“

Bisher hätten sich 57 Prozent der rund 11 000 Athleten für die Spiele in Japan qualifiziert. Bach versicherte, das IOC wolle mit den internationalen Sportfachverbänden zusammenarbeiten, um alle „notwendigen und praktischen Anpassungen an ihren jeweiligen Qualifikationssystemen vorzunehmen“.

Leichtathletik-Weltverbandspräsident Sebastian Coe sieht „keine Chancengleichheit“ mehr gewährleistet, sagte der Brite der Zeitung „The Times“. dpa

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