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Entscheidung mit Weitblick

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Großer Stolz und ein bisschen Wehmut – mit diesen Gefühlen haben die Adler-Fans auf die diesjährige Draft-Sensation aus Mannheim reagiert. Einerseits freuen sie sich für Moritz Seider, dass er nicht nur schon an sechster Stelle gezogen wurde, sondern dass er zudem bei einem Club mit großer Vergangenheit landete. Andererseits stellen sie sich die Frage: Bedeutet das, dass das 18-jährige Supertalent seine Zelte in Deutschland abbrechen wird?

Das muss nicht so sein. Klar ist: Die Entscheidung, wie es mit Seider weitergeht, liegt seit der NHL-Talentziehung in Vancouver einzig und allein in den Händen der Red Wings. Die Adler um Sportmanager Jan-Axel Alavaara können nur das Gespräch mit Detroits General Manager Steve Yzerman suchen und ihn davon zu überzeugen, dass sich der Jung-Nationalspieler am besten in Mannheim entwickeln wird.

Dieses Vorgehen ist bei Seiders Klasse unabdingbar – und muss nicht gleich von vornherein zum Scheitern verurteilt sein. Yzerman hat mit seiner ersten Wahl beim Draft gezeigt, dass ihm Hauruck-Aktionen fremd sind und er die mittelfristige Zukunft des Clubs im Blick hat. Er hätte einen spektakuläreren Spieler ziehen können, doch er entschied sich für Seider. Es interessierte ihn auch nicht, dass dieser aus keiner Eishockey-Topnation kommt. Yzerman sieht im deutschen Senkrechtstarter etwas, das seinen Managerkollegen verborgen blieb – und er ließ sich von dieser Überzeugung leiten.

Insofern würde käme es nicht überraschend, wenn Yzerman Seider tatsächlich für eine weitere Saison nach Mannheim schicken würde. Einfacher wäre es zwar, ihn im nur 250 Kilometer entfernten Grand Rapids weiter zu beobachten, statt einen Transatlantikflug buchen zu müssen. Doch erstens sind die Red Wings auch in Europa gut aufgestellt, und zweitens hat Adler-Trainer Pavel Gross bewiesen, dass er ein Spielerverbesserer ist – und allein darauf kommt es an.