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Leichtathletik Deutsche Asse bei der WM in Doha noch ohne Erfolgserlebnis / Diskus-Hüne Harting im Vorkampf gescheitert

Enttäuschungen zum Start

Archivartikel

Doha.Die deutschen Leichtathleten sind bei der Hitze-WM längst noch nicht auf Betriebstemperatur. Diskus-Olympiasieger Christoph Harting und Langstrecken-Routinier Richard Ringer enttäuschten in Doha. Lauftalent Alina Reh wälzte sich nach waghalsigem Rennbeginn mit Magenkrämpfen auf der Bahn. Der Zeitplan und die vielen Ausfälle von Medaillenaspiranten im Vorfeld hatten schon nichts Gutes für das Auftakt-Wochenende versprochen.

„Wir haben viele positive Leistungen erlebt, aber auch den einen oder anderen Rückschlag“, sagte Idriss Gonschinska, Generaldirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), am Sonntag, wollte aber nicht weiter ausholen: „Wir haben jetzt eine Turniersituation, wo wir am Anfang sind. Insofern möchte ich da gar keine Prognosen abgeben.“

Zu Recht lobte der Spitzenfunktionär Carl Dohmanns siebten Platz beim quälenden 50-Kilometer-Gehen mitten in der Nacht als „fantastische Leistung“. Außerdem hob Gonschinska die Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und Lisa Ryzih (Ludwigshafen) hervor, die einen knallharten Ausscheidungswettkampf überstanden. Die erforderliche Robustheit ging so manchem anderen DLV-Athleten im temperierten Khalifa-Stadion ab. Ringer schied im 5000-Meter-Vorlauf in ganz schwachen 13:49,20 Minuten aus und war „total frustriert“.

Werfer-Hüne Harting scheiterte mit 63,08 Metern in der Qualifikation. Seit seinem Gold-Coup von Rio de Janeiro 2016 brachte der Berliner nichts mehr auf die Reihe. Gleichzeitig setzt er derart auf die Karte Tokio 2020, dass er sich bis dahin nicht mal durch Interviews ablenken lassen will und diese stur verweigert.

Der deutsche Diskus-Meister Martin Wierig aus Magdeburg steht im Gegensatz zu Harting im Finale an diesem Montag, wenn Europameisterin Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis die erste Medaille für den DLV holen könnte. Dass persönliche oder zumindest Saisonbestleistungen – ansonsten ein wichtiger Maßstab – bisher ausblieben, wollte Gonschinska nicht überbewerten. Durch die spätere WM habe die Saison „eine andere Statik“.

Tokio wird schlimmer

Wegen Verletzungen hatten Asse wie der zweifache Kugelstoß-Weltmeister David Storl sowie die Mehrkämpfer Arthur Abele und Carolin Schäfer ihre Teilnahme an der Wüsten-WM mit ihren schwierigen Bedingungen abgesagt. Aber auch bei Olympia in nur zehn Monaten in Tokio sind Hitze und noch höhere Luftfeuchtigkeit angesagt. „Da wird es noch viel schlimmer“, sagte der Deutsch-Amerikaner Sam Parsons nach seinem 5000-Meter-Vorlauf-Aus.

Eine andere Langstreckenläuferin erlebte den bittersten Abend ihrer Karriere: Die 22-jährige Reh aus Ulm musste nach 13 von 25 Runden über 10 000 Meter wegen Magenkrämpfen aufgeben und im Rollstuhl in die Katakomben gebracht werden. 3200 Meter lang war sie am Anfang zur Überraschung aller vornweg gelaufen. Zuvor hatte sich die deutsche 4 x 400-Meter-Mixed-Staffel bei der WM-Premiere im Vorlauf sang- und klanglos verabschiedet.

Beim Sieg der Russin Anschelika Sidorowa (4.95m) im Stabhochsprung kam die Ludwigshafenerin Lisa Ryzih als 17. nicht über 4,50 Meter hinaus. Für Gina Lückenkemper und Tatjana Pinto war im Halbfinale über die 100 Meter Endstation gewesen. Die EM-Zweite aus Berlin und die deutsche Meisterin aus Paderborn blieben als Letzte und Fünfte ihres Rennens in 11,30 und 11,29 Sekunden unter ihren Möglichkeiten. Shelly-Ann Fraser-Pryce sprintete zum vierten WM-Gold – in 10,71 Sekunden und zum ersten Mal, seit sie Mutter geworden ist.

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