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Leichtathletik Tolle Stimmung beim 30. Würzburger Residenzlauf / Die Deutsche Marathon-Meisterin Katharina Heinig genoss den Lauf, musste aber eingestehen:

„Es ist eine verdammt harte Strecke“

Archivartikel

Nach seiner Weltjahresbestleistung beim Osterlauf in Paderborn hat sich der Kenianer Emmanuel Kipchirchir Kiprono auch beim 30. Würzburger Residenzlauf durchgesetzt (wir berichteten bereits kurz): Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad ließ er im „Lauf der Asse“ seinen hierzulande noch unbekannten Landsmann Vedic Kipkoech knapp hinter sich. Bei den Frauen gab es einen äthiopischen Doppel-Erfolg: Die Berliner Halbmarathon-Siegerin Melat Yisak Kejeta setzte sich deutlich gegen Hawi Alemi Negeri durch.

Beste Europäerin im afrikanisch dominierten Feld war die deutsche Marathon-Meisterin Katharina Heinig von der LG Eintracht Frankfurt auf Platz sieben. Sie wollte sich auf der kurzen Strecke Tempohärte holen und war aufgrund der hohen Temperaturen war mit ihrer Zeit von 35:15 Minuten zufrieden: „Ich bin absolut keine Hitzeläuferin, daher ist das ganz beachtlich.“ Die Stimmung auf den vier Runden rund um das Würzburger Weltkulturerbe beschrieb die sympathische 28-Jährige als „einfach genial. Die Zuschauer haben uns hinten den Berg hoch gejagt und beim Endspurt kam ich mit den Beinen kaum hinterher. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, aber es ist eine verdammt harte Strecke.“

Das bekam auch der Marathon-Europarekordhalter zu spüren: Sondre Nordstadt Moen kam als Vierter ins Ziel und war mit seiner Zeit von 28:44 Minuten bei Hitze und Wind im Gegensatz zu Heinig nicht wirklich zufrieden. „Das ist 15 Sekunden langsamer als geplant, ich konnte nicht einmal auf dem ersten Kilometer mithalten“, sagte der Norweger, der die meiste Zeit im kenianischen Hochland trainiert. „In sechs Wochen will ich auf der Bahn 27:30 laufen“. Sein Ziel sind der norwegische Rekord über 10 000 Meter und die Europameisterschaften im August in Berlin.

Die hohen Temperaturen dürften auch ein Grund dafür gewesen sein, dass Emmanuel Kiprono deutlich langsamer unterwegs war als beim Paderborner Osterlauf, den er mit der Weltjahresbestleistung von 27:26 Minuten gewann. In Würzburg brauchte er 48 Sekunden mehr (28:14) und konnte auch seinen Landsmann Vedic Kipkoech bei dessen Europa-Premiere erst auf den letzten Metern abschütteln und zwei Sekunden hinter sich lassen. Rang drei ging an den Äthiopier Ashenafi Moges Weldeglogis, in Europa zuvor ebenfalls noch ein unbeschriebenes Blatt. Das kann man von seiner Landsfrau Melat Yisak Kejeta nicht behaupten: Drei Wochen nach ihrem Erfolg im Berliner Halbmarathon lief sie in Würzburg die Konkurrenz auf der zweiten Hälfte des Rennens in Grund und Boden und siegte mit 50 Sekunden Vorsprung.

Beim Rennen der Deutschen Handbike-Trophy über 20 Kilometerkonnte Paralympics-Goldmedaillengewinner Vico Merklein seinen Vorjahreserfolg wiederholen, musste sich dieses Mal aber mächtig strecken: Erst auf der letzten der acht Runden konnte er einen deutlichen Rückstand aufholen, an seinem Teamkollegen Kim Christiansen vorbeiziehen und den Dänen eine Sekunde hinter sich lassen.

Insgesamt waren beim 30. Residenzlauf 7975 Läuferinnen und Läufer am Start – das ist die zweitbeste Teilnehmerzahl nach 2016. „Wir haben die 8000 zwar knapp verfehlt, aber trotzdem mit Abstand das zweitbeste Ergebnis. Wir sind mit der Veranstaltung sehr zufrieden, auch wenn wir durch die Hitze ein paar Sanitätseinsätze mehr hatten“, so Organisationschef Reinhard Peter. Im Hauptlauf über 10 Kilometer waren 1830, über die 5 Kilometer 1085 Läuferinnen und Läufer am Start.