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American Football Duell der Gegensätze im Super Bowl – Dauersieger New England gegen Los Angeles Rams

Fällt die Patriots-Dynastie?

Archivartikel

Atlanta.Das Milliardenspektakel Super Bowl wird zum Duell der großen Gegensätze. Erfahrung oder Jugend? Quarterback-Altmeister Tom Brady oder Youngster Jared Goff? Nächster Rekord für die trophäenverwöhnten New England Patriots oder Beginn einer neuen Ära für die Los Angeles Rams? Mit dem sechsten Triumph will sich Brady im Alter von 41 endgültig sportlich unsterblich machen und den Angriff der neuen Football-Generation noch einmal abwehren. „Ich bin mehr als gesegnet. Das ist eine einmalige Gelegenheit“, schwärmte er vor dem NFL-Finale am Montag (0.30 Uhr/ProSieben) gegen die Los Angeles Rams. „Es ist schwer zu glauben, dass es schon das neunte Mal ist.“

Der Super Bowl mit den weltweit meisten Zuschauern eines Einzelsportevents hält selbst für den erfolgreichsten Spielmacher aber noch seltsame Überraschungen bereit. Milde lächelnd beobachtete Brady, wie ihm bei der letzten Pressekonferenz vor dem Showdown ein Ukulele-Spieler ein ebenso schiefes wie verfrühtes Siegeständchen sang – und danach aus dem Ballroom VI im Nobelhotel eskortiert wurde.

Tom Brady ganz entspannt

Auch die unerwartete Einlage vermochte den tiefenentspannten Glamourprofi aber nicht aus dem Konzept zu bringen. Mit einer dunkelblauen Wollmütze, aufgekrempeltem Jeanshemd und weißen Halbschuhen vermittelte Brady eher den Eindruck eines jung gebliebenen Collegestudenten auf Wochenendausflug als eines Footballprofis kurz vor einer seiner schwersten Aufgaben.

Nach der überraschenden Niederlage gegen Underdog Philadelphia Eagles in der Vorsaison diskutierten Experten im US-Sportfernsehen diese Woche schon eifrig, ob ein weiterer Fehlschlag am Status des besten Quarterbacks der Geschichte kratzen könnte. Und gerade weil es gegen Ausnahmekönner Brady geht, sind die Rams extra motiviert. „Alle Super Bowls sind bedeutsam“, sagte Verteidiger Aqib Talib, „aber wenn du einen der abgezocktesten Typen unserer Ära schlägst, dann bekommt der Sieg ein Sternchen: „Dieser war gegen Tom Brady“.“

Während das Traumduo Brady und Coach Bill Belichick seinen sechsten gemeinsamen Titel binnen 17 Jahren feiern will, warten die Rams auf ihren ersten Triumph seit 2000. Seit dem Umzug aus St. Louis nach LA vor drei Jahren hat das Team den Wandel vom fünftschlechtesten Team der Liga zur Spitzenmannschaft gemacht. Dabei haben sie ein bestimmtes Vorbild. „Er ist ein Experte“, lobte Rams-Coach Sean McVay seinen Kontrahenten Belichick. „In vielen Punkten hat er genau das erreicht, was wir mit den Rams etablieren wollen.“

Jared Goff voller Ehrgeiz

Auf den überlebensgroßen Plakatwänden nahe des gut anderthalb Milliarden US-Dollar teuren Mercedes Benz Stadiums im Zentrum der Olympiastadt Atlanta steht das Generationenduell von Brady und Goff im Fokus. In seiner erst dritten NFL-Saison will sich der 24-Jährige krönen – im gleichen Alter begründete Brady die Dynastie der Patriots mit dem ersten Titel ausgerechnet gegen die Rams. Genauso spannend wird, wie sich LA-Coach Sean McVay als jüngster Trainer der Super-Bowl-Geschichte im Generationenduell mit Belichick schlägt.

Die leichte Favoritenrolle besitzt New England. „Ich glaube nicht, dass die Patriots 40:0 gewinnen“, sagte der zweimalige Super-Bowl-Sieger Sebastian Vollmer über sein Ex-Team. „Aber sie haben die Erfahrung, sie werden super vorbereitet sein und lassen sich nicht ablenken von Medien, von den Fans, von dem ganzen Drumherum.“

Gegen den Dauersieger

Die Sympathien der weiten Teile des Landes liegen dagegen bei den Rams, wenn auch eher aus Abneigung gegen den Dauersieger. Allerdings nicht so im Weißen Haus: Donald Trump schickte nach den Halbfinals lediglich den Patriots, deren Besitzer Robert Kraft, Belichick und Brady, öffentliche Glückwünsche. Dabei dürfte der US-Präsident hoffen, dass ihn Golfkumpel Brady beim Besuch in Washington nicht wie nach dem vorigen Titelgewinn aus familiären Gründen versetzt.

Vergangene Saison sagte Trump den eigentlich obligatorischen Besuch seines Amtssitzes von Super-Bowl-Sieger Philadelphia kurzerhand ab, weil sich aus Protest gegen den US-Präsidenten ohnehin nur eine Hand voll Profis eingefunden hätte. Doch derlei Animositäten schaden der Liga offenbar ebenso wenig wie es die lange währende Kritik Trumps an während der Hymne knieenden Profis, die gegen Polizeigewalt und Rassendiskriminierung protestierten, konnte. Nach zwei Jahren stiegen die TV-Einschaltquoten wieder. Das Milliardengeschäft läuft wie geschmiert.

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