Sport

Feigenbutz‘ Galavorstellung verzückt die Massen

Ludwigshafen.Es ist 23:48 Uhr, als Vincent Feigenbutz die Arme in die Lüfte reckt, seinen Lorbeerkranz entgegennimmt und sich von seinen Fans für den Triumphzug gegen Yusuf Kanguel episch feiern lässt. Sechs Runden wird der 23-jährige Karlsruher aus dem Stall Sauerland gebraucht haben, um sich seinen Gegner strategisch zurechtzulegen, die Schwachpunkte zu analysieren und mit seinen kraftvollen Attacken sukzessive mürbe zu machen. Das weiße Handtuch nach einem Cut an der Nase ist da nur ein Vorbeugen vor Schlimmerem – und doch das Ergebnis eines schier endlosen Weges zweier Dimensionen.

Zum einen auf der boxerischen Seite. Denn lange bevor der 23-jährige Titelaspirant seine Bandagen bindet, hat die internationale Boxgala in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle ihre ersten Höhepunkte schon geschrieben. Bereits in den späten Nachmittagsstunden ist es der Deutsche Sukru Altay, für den es um alles geht – und sich im Kampf gegen den Georgier Geriso Adushvili auf lautstarke Unterstützung verlassen kann. Mit gellenden Schreien peitschen seine Anhänger Altay nach vorne, der die Atmosphäre mit seinen dynamischen Attacken kontinuierlich aufheizt und seinen Gegner nach Runde vier zur Aufgabe zwingt.

Im Kontrast zu Altays heißblütigem Duell wirken die schnellen Siege von Techniker Slawa Spomer, Youngster Simon Zachenhuber und Schwergewichtler Albon Pervizaj fast wie kühle Akkordarbeit, die pflichtschuldig abgeliefert wird, um glanzlos zum gewünschten Ergebnis zu führen. Punktrichter Jürgen Billhardt, seit 1975 international auf Turnieren unterwegs, formuliert es im „MM“-Gespräch so klar wie gnadenlos: „Einige dieser Jungs haben im Profibereich nichts zu suchen – man hat ihnen mit diesen Kämpfen keinen Gefallen getan. Solide Erfahrungen im Amateurboxen fehlen hier sichtbar.“

Es verwundert kaum, dass bei derart ungleichen Duellen viele Boxsportfreunde den Weg ins Freie suchen, um Atem zu fassen – und sich auf den Höhepunkt des Abends vorzubereiten. Zu ihnen gehören auch die selbsternannten „Hardcore-Fans“ Bruno Weizmann und Christian Rippstein, die mit ihren Frauen über hunderte von Kilometer aus Dortmund und Unterfranken angereist sind, um „ihren Vincent“ zum Sieg zu jubeln. „Ob Helsinki, Las Vegas oder Ludwigshafen: Wenn Vincent boxt, sind wir mit dabei“, wie es Weizmann den „MM“ kämpferisch wissen lässt, um gleichzeitig vor der „Kanone“ Yusuf Kanguel zu warnen – und sich doch siegessicher zu geben: „Den packt er!“

Packen kann auch Ahmad Ali die zunehmend gefüllte Halle endlich wieder bei ihrem Herzen – und das nicht nur, weil der Ludwigshafener Lokalmatador seinen Heimvorteil sichtlich auskostet: In den drei Runden bis zum Knockout liefert Ali gegen den Finnen Mika Joensuu einen derart beherzte Vorstellung, dass er selbst Deniz Ilbay bei seinem mühsam errungenen Punktsieg über die Runden gegen den Belgier Jean Pierre Habimana die Butter vom Brot nimmt. Das hatte sich Ilbay bei seiner ersten Vorstellung im Sauerland-Dress sicher anders vorgestellt.

Für völlige Kontroversen sorgt dann jedoch das Duell zwischen dem Türken Avni Yildirim und dem Dänen Lolenga Mock. Denn Yildirim gelingt zwar schon in Runde zwei ein beachtlicher Niederschlag, der euphorischen Beifall erntet – doch über die zwölf Runden hinweg wird der Kampf zur Schlacht, die der 46-jährige Oldie Lolenga Mock bravourös mitgestaltet und den 27-jährigen Türken mit seinen stürmischen Schlagkaskaden mächtig ins Schwitzen bringt. Dass einer der Punktrichter den Kampf überraschend deutlich mit 116:111 wertet, sorgt da bei vielen für nicht geringe Verstimmungen, die erst Vincent Feigenbutz‘ Galavorstellung wieder in Ekstase verkehren kann.

Womit man beim mentalen Marathon angekommen wäre, den Feigenbutz an diesem Abend formvoll vollendet. Da sind die krankheitsbedingten Absagen von Toni Kraft und Ronny Mittag für den Jungprofi längst Makulatur: Feigenbutz behält die Nerven, erhält von den Fernsehexperten Axel Schulz und Regina Halmich Bestnoten und verzückt mit seinem couragierten Auftreten auch die Herzender Massen. Selbst Boxpromoter-Legende Wilfried Sauerland schwärmt gegenüber dem „MM“: „Das war ein wegweisender Erfolg, mit dem sich Vincent für höhere Aufgaben empfohlen hat. Unser Ziel ist ganz klar ein Kampf gegen Arthur Abraham – und wenn es nach mir geht, wird es den auch geben.“ 

Zum Thema