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Ski Nordisch Langläufer wollen sich an Weltspitze herantasten / „Arbeitssaison“ beginnt am Freitag im finnischen Ruka

Fokus liegt auf Heim-WM und Olympia

Archivartikel

Ruka.Florian Notz gleitet durch tief verschneite finnische Wälder. „Schritt für Schritt werde ich langsam schneller“, schrieb Deutschlands bester Skilangläufer zu dem malerischen Foto auf seinem Facebook-Kanal. „Langsam schneller werden“, das hört sich zunächst lustig an, doch genau darum geht es für das Team des Bundestrainers Peter Schlickenrieder in der Saison, die am Freitag im finnischen Ruka mit Sprints in der klassischen Technik beginnt (Finals, 12.30 Uhr MEZ, Eurosport): um einen nachhaltigen Aufbau mit Perspektive insbesondere auf die Heim-WM im Folgejahr im Allgäu. „In der Ruhe liegt die Kraft“, gibt Notz, der nach Verletzungsproblemen erst in der kommenden Woche in Lillehammer in den Wettkampfbetrieb einsteigt, als Parole aus und warnt damit vor zu hohen Erwartungen.

Probleme bei der Tour de Ski

„Wir sind auf dem Weg nach Oberstdorf und zu Olympia 2022“, betont Schlickenrieder zu Beginn seines zweiten Winters an leitender Position. Der 49-jährige Schlierseer spricht von einer „Arbeitssaison“, in der jeder Athlet „seine Schritte tun“ müsse. „Arbeiten, arbeiten, arbeiten“, fordert er. Die Trainings- und Wettkampfsteuerung stehe im Fokus, die enge Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern im Team, die die „Athletik und Technik verschärft in Angriff nehmen“.

Die Weltcups in Lahti und Oslo sind der „sportliche Höhepunkt“, weil sie Ende Februar, Anfang März genau ein Jahr vor der Heim-WM liegen. Emotionales Highlight soll der Weltcup auf den WM-Kursen von 2021 Ende Januar werden. Es geht darum, „die Leute auf den Punkt zu bringen“, sagt der Bundestrainer. Höchstform also genau zur WM-Zeit, auf die in dieser Saison nur noch der Trip nach Nordamerika folgt.

Schlickenrieder „will im Team näher an die Weltspitze heran“, an Norwegen mit den Superstars Johannes Kläbo und Therese Johaug, Schweden oder Russland. Von Medaillen im kommenden Winter in Oberstdorf wagt er nicht zu sprechen: „Dafür müsste bei uns alles in der Geschwindigkeit weitergehen wie zuletzt, und andere Nationen müssten Fehler machen. Aber die anderen schlafen ja nicht.“

Der Aufholbedarf ist groß. Notz (27/Römerstein) als 33. im Gesamt-Weltcup und Sandra Ringwald (29/Schonach-Rohrhardsberg), die ihre Karriere überraschend beendet hat, auf Rang 20 waren im vergangenen Winter die besten Deutschen. Neben ihr haben auch Steffi Böhler und Elisabeth Schicho sowie Miriam Neureuther aufgehört. Schlickenrieder sieht beim Neuaufbau sowohl bei den Damen als auch bei den Herren eine „sehr homogene Mannschaft“, in der niemand eine Sonderstellung hat. Die Führungsrolle im Team werde im Laufe des Winters immer wieder wechseln.

Doch seine Sportart hat es schwer. Die Aufsehen erregende „Operation Aderlass“ gegen Dopingmachenschaften unter anderem im internationalen Langlauf während der WM im österreichischen Seefeld war ein weiterer Schlag für das Image. Und die einstige Prestigeveranstaltung Tour de Ski litt schon 2018/19 unter der Absage von Topstars. In diesem Winter findet das Etappenrennen zum Jahreswechsel zum ersten Mal seit seiner Einführung 2006 ohne Station in Deutschland statt. Vielleicht wird Oberstdorf 2021 ja wieder ein „Urknall“ für den deutschen Langlauf, wie ihn Schlickenrieder 2005 bei der vorherigen WM im Oberallgäu verspürt hat. dpa

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