Sport

Tennis Alexander Zverev trifft bei den ATP Finals am Montag auf Daniil Medwedew

Fokus zurück auf den Sport

Archivartikel

London.Alexander Zverev sinkt auf den Hallenboden. Er liegt auf dem Bauch, bewegt legt er den Kopf auf den Armen ab. Er dreht sich auf den Rücken, hält sich ungläubig die Hände vors Gesicht. Es ist der größte Moment seiner jungen Karriere. Als Zverev 2018 gegen Topstar Novak Djokovic die ATP Finals gewinnt, ist das eine Sensation, zu der Regierungssprecher Steffen Seibert gratuliert. Sensationell wäre es diesmal nicht, sollte Zverev am kommenden Sonntag ein zweites Mal in London triumphieren. Es wäre vielmehr die veredelnde und irgendwie auch passende Schlusspointe unter ein verrücktes Jahr des besten deutschen Tennisspielers. Unter ein wechselhaftes und emotionales Jahr mit vielen Höhen und Tiefen, mit sportlich imponierenden Grand-Slam-Auftritten und mit mächtig privatem Wirbel, für den der Hamburger stark in die Kritik geriet.

Knifflige Gruppenphase

Die Vorwürfe seiner Ex-Freundin Olga Scharipowa seien „unbegründet“ und „einfach nicht wahr“, bekräftigte der 23-Jährige vor seinem Auftritt am Montag (21 Uhr/Sky) gegen Paris-Sieger Daniil Medwedew. „Es ist nicht so, wie es war. So bin ich nicht.“ Dass die Russin Scharipowa schildert, Zverev habe sie psychisch und körperlich misshandelt, beschäftigte den Hamburger vor einer großen Gruppe internationaler Reporter. Die Frage wird zum einem sein, wie es um seine Psyche bestellt ist, wenn es zunächst darum geht, beim Stelldichein der acht besten Tennisprofis des Jahres die knifflige Gruppenphase zu überstehen. Zum anderen schadet der Ärger abseits des Platzes seinem Image, das bereits angekratzt war. Mitten in der Corona-Krise war Zverev bei der fatalen Adria Tour mit Verstößen gegen Hygiene-Empfehlungen negativ aufgefallen. Danach war ein Party-Video mit ihm, ohne zeitliche Zuordnung, im Internet aufgetaucht, obwohl er sich in Quarantäne begeben wollte. Vor Monaten war der Jungstar bei einer Pressekonferenz bei einer unangenehmen Frage einfach aufgestanden. Vor den ATP Finals las er stockend aus einer Stellungnahme vor. Als Kommunikationsberater hat sich Zverev Béla Anda an die Seite geholt, einen Krisenexperten und früheren Regierungssprecher. Er entschuldige sich aufrichtig, dass sich der Fokus weg vom Sport geschoben habe, sagte Zverev.

Trotz all der Turbulenzen wirkt Zverev momentan mental gefestigt und spielerisch auf der Höhe, wenn er seinen Tennisschläger in der Hand hat. Seine Wutausbrüche tendieren in dieser coronabedingt ausgedünnten Turnier-Saison, in der Zverev in vielerlei Hinsicht gereift ist, gegen Null.

Lob für Trainer Ferrer

In Paris erreichte der Weltranglisten-Siebte das Finale, er besiegte unter anderem Rafael Nadal. Zuvor gewann er gleich beide kurzfristig angesetzten neuen Turniere in Köln. Ohnehin wird dieses merkwürdige Jahr als die Saison in Erinnerung bleiben, in der Zverev als Australian-Open-Halbfinalist und US-Open-Finalist endlich auch die (fast) letzten Stufen bei den Grand-Slam-Turnieren erreichte.

Dass er nach der monatelangen Coronavirus-Pause so eindrucksvoll spielt, hat auch mit seinem neuen Trainer David Ferrer zu tun. Die Verpflichtung des Spaniers ist einer der positiven Aspekte von 2020. „Es ist die Intensität unseres Trainings, die besonders ist“, sagte Zverev über die Zusammenarbeit mit Ferrer. „Dabei geht es um die Art und Weise, sich optimal zu bewegen, Besonderheiten bei der Vorhand oder auch um die Platzierung der Füße. Sehr allgemein gesagt, hat David die Gabe, Tennis auf besondere Art und Weise zu sehen.“ 

Zum Thema