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Bundesliga Hoffenheim ist drauf und dran, sich zum dritten Mal in Folge für einen Europapokal-Wettbewerb zu qualifizieren / Mit Hübner spielt auch Vogt besser

Fünf Gründe für die TSG-Stärke im Liga-Endspurt

Das jüngste 2:0 der TSG Hoffenheim gegen Hertha BSC Berlin (wir berichteten) war der dritte „Dreier“ für die Kraichgauer in Serie und der 50. Bundesliga-Sieg von Trainer Julian Nagelsmann. Parallelen zur Vorsaison zeichnen sich ab, als sich die TSG mit einem fulminanten Endspurt erstmals in der Klub-Historie für die Champions League qualifizierte. Zu Rang vier sind es fünf Spieltage vor dem Ende nun nur noch fünf Punkte Rückstand. Für den Aufschwung in den vergangenen Wochen gibt es fünf Kern-Gründe:

Personal: Bis auf den am Syndesmoseband verletzten Joelinton und den an der Leiste operierten Dennis Geiger sind nun alle Spieler fit. Dadurch ist die Qualität im Training gestiegen. Das Aufbau- und Positionsspiel ist im Vergleich zur bisherigen Saison klar verbessert. Das bessere Positionsspiel zeigt sich vor allem im Gewinn zahlreicher „zweiter Bälle“.

Defensive: Benjamin Hübner gibt als „Aggressive Leader“ der Abwehr mehr Halt. Er begeistert nicht nur durch seine Zweikampfstärke, sondern „hilft“ zudem dem zwischenzeitlich schwächelnden Kapitän Kevin Vogt. Seit Hübner wieder an seiner Seite ist, spielt Vogt deutlich stabiler. In den jüngsten drei Begegnungen hat 1899 insgesamt nur einen Gegentreffer kassiert.

Offensive: Gegen Berlin schossen die Hoffenheimer 29 Mal aufs Hertha-Tor. Besser waren in dieser Saison nur die Bayern mit ihren 33 Abschlüssen bei der Auswärtspartie in Hannover. Das Angriffsspiel der TSG ist variabel, schnell und attraktiv. Allerdings ist die Chancenverwertung weiterhin zu schwach. 253 Möglichkeiten hat sich „Hoffe“ in dieser Saison herausgespielt – das sind zusammen mit dem FC Bayern die meisten aller 18 Bundesligisten. Allerdings verwerteten die „Nagelsmänner“ nur 23,7 Prozent ihrer Abschlüsse. Nur Stuttgart und Nürnberg sind in dieser Statistik schlechter. Allerdings kommt auch Pech dazu: Mit insgesamt 21 Alu-Treffern hat Hoffenheim am häufigsten aller Konkurrenten in dieser Saison das Torgestänge getroffen – gegen Hertha wieder zweimal.

Variabilität:Vor allem in der vergangenen und zu Beginn dieser Saison war das 3-5-2-System der Erfolgsgarant der Hoffenheimer. Mittleweile basiert das Taktikgerüst auf einer Viererkette, davor ist „Hoffe“ kaum auszurechnen: Gegen Leverkusen stürmte man mit drei Spitzen (4-3-3) gegen Berlin war es ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld. Und nicht nur das: In der zweiten Hälfte des Berlin-Spiels „switchte“ Julian Nagelsmann mit der Einwechslung von Ermin Bicakcic in der 64. Minute die Verteidigungsreihe von Vierer- auf Dreierkette um.

Charakter: Die Mannschaft hat sich nach dem Misserfolg in der Champions League und dem zwischenzeitlichen Darben in der Bundesliga nicht hängen lassen. „Die Spieler haben Blut geleckt. Das sieht man schon an der Körpersprache“, sagte Alexander Rosen, der Direktor Profifußball bei der TSG 1899. Dazu kommt die Situation des Trainers, der zum Saisonende den Verein verlassen wird und das schon sehr früh kundtat. Allem Anschein nach ist Julian Nagelsmann aber keine „Lame Duck“, sondern das Team nimmt seine Impulse weiter auf.

„Jetzt wollen wir auf jeden Fall den sechsten Platz verteidigen“, sagte Oliver Baumann. In den direkten Duellen gegen die Europacup-Konkurrenten gegen Wolfsburg, Mönchengladbach und Bremen kann Hoffenheim die Weichen für eine dritte „internationale Saison“ stellen.