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Ringen Um bei der WM in Kasachstan in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm zu starten, verschreibt sich der dreimalige Weltmeister einer Extrem-Diät

Für seinen Traum geht Stäbler durch die Hölle

Musberg/Nur-Sultan.Frank Stäblers härtester Kampf beginnt schon Tage vor seinen ersten Duellen bei der Ringer-WM in Kasachstan. Und dieser Kampf wird brutal – denn der dreimalige Weltmeister tritt gegen seinen eigenen Körper an: Er muss in kürzester Zeit abnehmen und dann gegen die Besten der Welt bestehen. „Das wird die Hölle“, prognostiziert Stäbler. Aber er lächelt dabei, fast so, als kämen ihm vor seiner letzten WM und der erhofften Qualifikation für Olympia diese extrem erschwerten Bedingungen gerade recht.

„Wenn alle sagen, das ist unmöglich, muss ich es der ganzen Welt beweisen. Das ist mein Ansporn, das ist der Kick“, sagt der willens- und nervenstarke Ausnahmeathlet. Und dann erzählt Stäbler, was ihn erwartet, wenn er nach seinem Hinflug am Mittwoch in die kasachische Hauptstadt Nur-Sultan mit der notwendigen Extrem-Diät beginnt.

Fragwürdiges Reglement

„Ich werde drei, vier Tage so gut wie nichts mehr trinken und nichts essen, höchstens mal einen Eiweißriegel von 40 Gramm oder ein paar Hundert Milliliter Wasser. Dennoch wird den ganzen Tag trainiert, dick eingepackt in einen Neoprenpulli und mit einer Schwitzjacke drüber.“ Der Körper werde ausgedrückt wie ein Schwamm. „Da kannst du nicht mehr klar denken, kannst nicht schlafen. Du kannst nicht mehr schlucken und wünschst dir nur zu trinken. Das ist das Schlimmste.“ Der Grund für Stäblers bevorstehende Tortur ist das Reglement, wonach seine gewohnte Gewichtsklasse von 72 Kilogramm in Tokio 2020 nicht olympisch ist. Um bei seinen letzten Sommerspielen dabei zu sein, muss der 30-Jährige also das Gewicht am Kampftag auf 67 Kilogramm drücken, das sind rund acht Kilogramm weniger als sein Normalgewicht.

Dieses „Abkochen“ kennt Stäbler eigentlich. Schon immer hungerte er sich wie die meisten Ringer zum erlaubten Kampfgewicht runter. Dennoch wird es diesmal anders sein. Bis vor zwei Jahren fand das Wiegen nämlich einen Tag vor dem Wettkampf statt. Also hatten die Sportler eine Nacht Zeit, zu essen und sich für den Wettkampf etliche Kilogramm zurückzuholen. Inzwischen aber steht das Wiegen am Morgen der Kämpfe an und die Athleten müssen mit jenem Gewicht antreten. Noch schlimmer: Da nach den Vorkämpfen die Duelle um die Medaillen erst am folgenden Tag ausgetragen werden – und dann noch mal gewogen wird – kann Stäbler auch nach dem ersten Kampftag kaum etwas essen.

Der Routinier musste also grundsätzlich runter mit dem Gewicht – was schwierig ist beim Körper eines Leistungssportlers mit nur rund acht Prozent Körperfett. 

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