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Triathlon Nachwuchs hat den dreifachen Hawaii-Sieger geerdet / Ehrgeiz beschränkt sich mittlerweile auf Wettkampf

Gegen die Kinder verliert Frodeno gerne

Archivartikel

Köln.Es ist nicht so, dass Jan Frodeno nicht verlieren kann. Selbst wenn der gebürtige Kölner seit fast zwei Jahren alle Triathlon-Rennen gewonnen hat, bei denen er gestartet ist. „Der Ehrgeiz beschränkt sich mittlerweile fast nur noch auf den Wettkampf“, sagt der 38-Jährige mit einer gewissen Gelassenheit und es fällt nicht schwer, ihm das zu glauben. Er wirkt entspannt, ausgeglichen, einfach mit sich im Reinen. Sein dritter WM-Triumph auf Hawaii ist rund einen Monat her. Urlaub, Familie, Medientermine, eine Radtour über Stock und Stein mit zwei guten Kumpels – die Zeit und das Leben genießen.

Nun sitzt er im Showroom eines Herstellers von Sportkleidung für Schwimmen, Laufen und Radfahren – passt ja. Frodeno ist daran beteiligt. Die Truppe um ihn herum ist jung, gut gelaunt. Der Superstar ist mittendrin. Genauso gut gelaunt. „Ich bin einfach ein lebensfreudiger Mensch. Ich kann genießen, ich kann vor Freude einfach losschreien“, erzählt Frodeno.

So wie beim Zieleinlauf in Kailua-Kona am 12. Oktober. Die WM-Siege 2015 und 2016 toppte er auf der Vulkan-Insel mit einem perfekten Rennen inklusive Streckenrekord in 7:51:13 Stunden. Frodeno sei „einfach auf einem anderen Planeten“ gewesen, meinte der drittplatzierte Sebastian Kienle, Weltmeister von 2014. Als den Besten jemals, pries Hawaii-Rekordsieger Mark Allen (sechs Siege) aus den USA den Deutschen Frodeno.

„Es ist schön, und ich fühle mich geehrt. Es ist aber auch sehr, sehr schwer, Menschen und Persönlichkeiten über Jahrzehnte hinweg zu vergleichen“, sagt Frodeno zu solchen Superlativen. „Es ist wie jede andere Anerkennung eine äußere Anerkennung, ein Empfinden. Wenn jemand das so findet, ist es total cool. Wenn nicht, ist das auch vollkommen okay.“

Frodeno sucht den Erfolg nicht mehr für noch mehr Anerkennung. 2008 nach seinem Olympiasieg in Peking war das noch etwas anderes: „Es war damals der größte Moment für mich, mitten im Rampenlicht zu stehen.“

Fokus für das Wesentliche

Den Frodeno des Jahres 2019 haben auch seine beiden Kinder (1 und 3 Jahre alt) geprägt, die er mit Ehefrau Emma hat. Die Australierin gewann unter ihrem Familiennamen Snowsill wie Frodeno 2008 in Peking Olympia-Gold. „Meine Kinder haben mich auf jeden Fall sehr geerdet. Sie haben mir relativ deutlich gemacht, dass der Sport doch nur die schönste Nebensache der Welt ist“, betont Frodeno.

Früher sei er eigentlich gar kein Kindertyp gewesen. Nun genieße er, die Welt auch aus einer anderen, aus deren Perspektive zu sehen. Seine Kinder hätten ihn auch stärker gemacht, „weil sie mir meine Ziele nicht genommen, mir aber einen Fokus auf das Wesentliche gegeben haben“. Nicht nur deswegen lässt Frodeno sie beim Spielen auch immer gewinnen. „Außerhalb vom Triathlon kann ich sehr gut verlieren“, sagt er und lächelt zufrieden.

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