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Leichtathletik Gleich zum Auftakt der 24. Europameisterschaft in Berlin könnte es vielfachen deutschen Medaillenjubel geben / Ein „verrückter Dienstag“?

Harting auf letzter großer Mission

Berlin.Es geht los! Der Deutsche Leichtathletik-Verband will den Heimvorteil bei den 24. Europameisterschaften in Berlin nutzen, legt sich aber nicht auf ein Medaillenziel fest. „Die Athleten haben alle ihre Träume mitgebracht“, sagte Idriss Gonschinska, der Leitende Direktor Sport des DLV, vor Beginn der Titelkämpfe. „Und wenn die erfüllt werden, werden wir sehr erfolgreich sein. Wir werden angreifen und um jeden Zentimeter kämpfen.“

Der Gastgeber schickt 125 Athleten in 45 der 48 Medaillenkämpfe, darunter sind die fünf Titelverteidiger von vor zwei Jahren. Darunter ist auch der Kugelstoß-Hüne David Storl, der heute für einen historischen Sieg und Rückenwind für das ganze DLV-Team sorgen kann: Der Ex-Weltmeister aus Leipzig könnte als Erster in seiner Disziplin zum vierten Mal Europameister werden.

Mit weiteren möglichen Medaillen könnten Deutschlands schnellste Frau Gina Lückenkemper über 100 Meter und Richard Ringer über 10 000 Meter für einen „verrückten Dienstag“ und einen Auftakt nach Maß sorgen. „Wenn ‘Crazy Tuesday’ positiv gemeint ist, dann kann es gern auch sehr crazy sein“, meinte Gonschinska. Bei der EM 2016 in Amsterdam gewann der DLV 16 Medaillen, darunter fünf aus Gold.

Für einen der großen emotionalen Momente dürfte Robert Harting sorgen. Der 33-jährige Berliner Olympiasieger und mehrfache Welt- und Europameister startet heute in seiner Heimatstadt mit der Diskus-Qualifikation die letzte große Mission seiner Karriere. Eine EM-Medaille aus Gips hat er sich vorsorglich gebastelt. Ob Harting noch eine aus Edelmetall holen kann? „Ich bin im Rahmen der Verletzungen wirklich gut und immer noch gefährlich“, sagte er vor dem finalen Meisterschafts-Auftritt.

Als sichere (Gold)-Medaillenbank gilt hingegen die Kugelstoßerin Christina Schwanitz, die sich von ihrem Autounfall vor zwei Wochen gut erholt hat und den Titel-Hattrick schaffen will. „Mir geht es soweit wieder ganz gut“, versicherte die 32-jährige Weltmeisterin von 2015, die nach dem Crash durch ein Schleudertrauma und eine leichte Handverletzung gehandicapt war. „Ich bin in den Ring gegangen und einfach umgefallen“, berichtete die Mutter von Zwillingen. „Jetzt kann ich wieder rückwärts drehen, die Kugel fliegt wieder gut durch den Ring.“

Während das DLV-Ärzteteam wegen der Hitze alles unternommen hat, damit die Athleten mit kühlem Kopf antreten und gesund die Wettkämpfe überstehen können, nimmt Schwanitz Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius mit Humor. „Schwitzt du noch oder klebst du schon? Ich schwitze lieber“, lachte Schwanitz.

Die Leichtathletik-EM an der Spree ist der Höhepunkt der European Championships, die in der vergangenen Woche in Glasgow begonnen haben. „Das Format ist zumindest für das Fernsehen gut“, urteilte DLV-Präsident Jürgen Kessing und sieht die Leichtathletik-EM als Höhepunkt dieser Bündelung von sieben europäischen Titelkämpfen. Für die eigene EM wünscht er sich „tollen Sport“ und ein „kleines Sommermärchen“ analog der Fußball-WM 2006. „Der Vorstart-Zustand, wie es bei den Psychologen ja so heißt, der ist hier jetzt mit den Händen greifbar“, meinte Kessing.