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Ski Nordisch Formanstieg der besten deutschen Langläuferin kommt mit Blick auf die Heim-WM zur richtigen Zeit

Hennig weckt Hoffnungen

Toblach/Val di Fiemme.Über Weltmeister Markus Eisenbichler und Olympiasieger Eric Frenzel lässt sich eine Heim-WM der nordischen Skisportler natürlich super verkaufen. Doch die Organisatoren in Oberstdorf haben nun auch in der langjährigen Sorgendisziplin Langlauf ein Gesicht für sich entdeckt: Katharina Hennig.

Bei der jüngsten Pressekonferenz der Veranstalter Ende Dezember war die 24 Jahre alte Oberwiesenthalerin neben Verbandspräsident Franz Steinle und Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz präsent – sie sprach über ihre Aussichten, Wünsche und Träume für das Event, das am 23. Februar in Oberstdorf beginnt.

Finale am Wochenende

Nur wenige Tage später, zum Start ins mit Sehnsucht erwartete WM-Jahr 2021, fing Hennig dann auch an, sportlich richtig zu überzeugen. Bei der prestigeträchtigen Tour de Ski holte sie mit den Rängen fünf, acht und neun bereits drei Top-Ten-Platzierungen – und das vor dem großen Finale in Val di Fiemme an diesem Wochenende.

„Mein persönliches Fazit ist sehr positiv. Meine Stärke ist ja doch das Klassische. Umso glücklicher bin ich, dass ich auch Freistil ein gutes Ergebnis liefern konnte“, sagte Hennig. Den zweiten Ruhetag samt Überfahrt von Toblach ins malerische Fleimstal kann Hennig deshalb ganz in Ruhe verbringen. Deutschlands beste Langläuferin nimmt Kurs auf eine Top-10-Platzierung in der Gesamtwertung und weckt damit sechs Wochen vor dem WM-Start Hoffnungen, dass ein Überraschungscoup im Allgäu vielleicht doch nicht ganz außer Reichweite ist. „Das ist schon mal höher zu bewerten als der dritte Platz letztes Jahr. Wir hatten gutes Material. Das ist das, was wir können“, sagte Peter Schlickenrieder als deutscher Teamchef der dpa, nachdem Hennig als Fünfte in Val Müstair mehrere Weltklasse-Athletinnen geschlagen hatte. Selbiges gelang ihr auch in den Folgetagen. Hennig ist auf Kurs, auch wenn die guten Platzierungen wegen des coronabedingten Fehlens der Norweger nicht überbewertet werden dürfen. Schlickenrieder weiß, was Hennig auszeichnet. In der klassischen Technik ist die Oberwiesenthalerin stark. Und: Je schwerer das Profil der Strecke ist, desto mehr kann Hennig der Weltspitze Paroli bieten. Dass nach zähen Wochen mit vielen Frusterlebnissen nun ein kleiner Durchbruch bei der Tour de Ski gelang, bewertet Schlickenrieder für sein Team positiv. Hennigs Erfolge „tun der ganzen Mannschaft gut“ – und auch den Perspektiven der WM-Organisatoren.

Der Liebe wegen nach Oberstdorf

Auch, weil sich die stets freundliche und meist mit einem Lächeln auftretende junge Frau durchaus als Lokalmatadorin verkaufen lässt. Der Liebe wegen hat sie den Schritt aus dem geliebten Erzgebirge heraus nach Oberstdorf gewagt, trainiert dort bei Stefan Dotzler.

„Das Pendeln zwischen den beiden Orten hatte ihrer sportlichen Entwicklung nicht gut getan“, sagt Andreas Schlütter, Sportlicher Leiter der Langläufer. Jetzt hat sie wieder festen Boden unter den Füßen, kann sich ganz auf den Sport konzentrieren. Aber: „Ich weiß, wo ich her komme“, sagt Katharina Hennig. Trotzdem hat der Begriff Heim-Weltmeisterschaft für sie nun eine doppelte Bedeutung. dpa

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