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Fußball CDU-Politiker tritt einen Tag vor richtungsweisender Mitgliederversammlung als Präsident des Karlsruher SC zurück

Ingo Wellenreuther kapituliert

Karlsruhe.Im Gezerre um die mögliche Insolvenz und Zukunft des Karlsruher SC ist die Ära von Ingo Wellenreuther zu Ende gegangen. Der 60-Jährige gab sein Amt als Präsident des Zweitligisten am Donnerstag auf. Seit 2010 hatte der zuletzt umstrittene CDU-Bundestagsabgeordnete vier Amtszeiten an der Spitze des Clubs gestanden.

„Insgesamt waren es zehn bewegende Jahre, in denen ich sicherlich auch einige falsche Entscheidungen getroffen habe“, räumte Wellenreuther ein. Auf die entscheidenden Gründe seines Schritts wollte er nicht genauer eingehen.

Wellenreuthers Rückhalt im Verein war geschrumpft, das Verhältnis zu Geschäftsführer Michael Becker mehr als abgekühlt. Dieser hatte eine schnelle Insolvenz in Eigenverwaltung forciert, Wellenreuther darauf bestanden, die Vereinsmitglieder müssten über diesen Schritt entscheiden. Den Ausschlag gab am Ende eine regionale Investorengruppe um Unternehmer Michael Müller, der als Gegenkandidat im Oktober noch an Wellenreuther gescheitert war. Als „Bündnis KSC“ hatte sie angeboten, Aktien der ausgegliederten Fußballabteilung im Wert von sechs Millionen Euro zu kaufen und dies an Wellenreuthers Rücktritt noch vor der Mitgliederversammlung am Freitag geknüpft.

Offenbar machte Wellenreuther den Weg für den Einstieg der noch immer teilweise anonymen Gruppe frei. Die für Freitag (18 Uhr) angesetzte Online-Versammlung findet dennoch wie geplant statt. Die Mitglieder sollen darüber abstimmen, ob die ausgegliederte Fußballabteilung Planinsolvenz anmelden darf. Ist bis zum Beginn der Veranstaltung die Insolvenz in Eigenverwaltung abgewendet, entfalle die Abstimmung darüber. Dies teilte der KSC am Donnerstagabend mit. Es sei gelungen, „die Insolvenz unseres Vereins zu verhindern“, teilte Wellenreuther mit. Die drohende Planinsolvenz in Eigenverwaltung abzuwenden, war von Beginn an sein Ziel.

Samstag gegen Darmstadt 98

Dass er allerdings dafür sein Amt niederlegte, kam überraschend. Nach dpa-Informationen liegt dem Verein nun eine unterschriftsreife Einigung mit dem Medienunternehmer Michael Kölmel ebenso vor wie eine Vertragsverlängerung mit dem Hauptsponsor Klaiber Markisen. Zuletzt hatte sich Wellenreuther klar dagegen positioniert, auf die Bedingungen des „Bündnis KSC“ einzugehen. „Ich habe eine Verantwortung gegenüber dem Verein“, hatte er vor wenigen Tagen gesagt und zu viele offene Fragen gesehen: „Wer gibt Geld? Wer gibt wieviel Geld? Woher stammt dieses Geld?“

Am Samstag trifft der Tabellen-17. der 2. Liga beim Liga-Neustart auf Darmstadt 98. dpa

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