Sport

Biathlon Neue Wettkampfformate sollen Zuschauer locken

Lieber Tradition oder schnelle Veränderung?

Östersund.Im Februar 1960 war noch nichts davon zu ahnen, welche Entwicklung Biathlon einmal nehmen wird. Als damals bei der Olympia-Premiere in Squaw Valley 30 Wagemutige mit Großkaliberwaffen auf Ziele in 200 Meter Entfernung schossen und auf ihren klobigen Skiern durch den Wald rannten, war das Einzel über 20 Kilometer bei den Männern die einzige Disziplin. Es ist die purste Form der Skijagd und knapp 60 Jahre später nicht unumstritten. In der Hoffnung auf mehr Action und Drama wird nach immer neuen Wettkampfformaten gesucht – nicht zur Freude der Traditionalisten.

„Der Einzel ist immer Teil vom Biathlon gewesen“, sagte Ex-Weltmeister Erik Lesser (Bild) und hält wenig davon, den Wettbewerb zu streichen. Am Mittwoch (16.15 Uhr/ZDF und Eurosport) findet das erste von drei Klassiker-Rennen in diesem Winter bei den Männern statt, am Donnerstag folgen beim Weltcup-Auftakt in Östersund die Frauen.

Das Problem: Gerade für das Millionen-Publikum vor dem Fernseher ist das Rennen unattraktiv, die TV-Quoten im Durchschnitt am schwächsten. Die Männer sind über 50 Minuten unterwegs. Bei 100 Startern wird es nicht nur für den Laien schnell sehr unübersichtlich, da es keine direkten Duelle, sondern nur den Kampf gegen die Uhr gibt. Die Athleten mögen das Rennen, denn sie sind gefordert wie sonst nie. Jeder Fehler bedeutet sofort eine Strafminute. „Trotzdem muss es immer schneller, rasanter, spektakulärer sein“, sagte Biathletin Denise Herrmann. Mit der Einführung von Verfolgung oder Massenstart stieg die Attraktivität für die Zuschauer, nicht ohne Grund ist Biathlon der Wintersport mit der größten TV-Präsenz.

Wunsch nach mehr Spektakel

Der Wunsch nach Spektakel bleibt aber groß, deswegen wird gerade ein sogenannter Super-Sprint mit Qualifikation und Finalwettkampf getestet. Bundestrainer Mark Kirchner stellt sich die Frage, „wo man mit Biathlon als schon gutem Produkt eigentlich hin will“. Bei den jährlichen Weltmeisterschaften gibt es in Sprint, Einzel, Verfolgung, Massenstart und Staffeln nun insgesamt schon zwölf Entscheidungen, auch der Weltcup-Kalender ist mit 68 Rennen an zehn Orten vollgepackt.

Die nächsten Veränderungen sind aber schon angeschoben. So wird es vor dem kommenden Winter erstmals eine neue Saisoneröffnung am letzten November-Wochenende 2020 im finnischen Kontiolahti geben. dpa (Bild: dpa)

Zum Thema