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Dressur Ehefrau des Bayern-Stars Thomas Müller wird beim Maimarkt-Turnier Neunte / Isabell Werth gewinnt Grand Prix

Lisa Müller lernt von der Besten

Archivartikel

Mannheim.Die Meisterin und die Schülerin gemeinsam im Dressur-Viereck – das hat Seltenheitswert. Beim Mannheimer Maimarkt-Turnier drückten sich Isabell Werth, die weltweit beste Dressurreiterin aus Rheinberg, und Lisa Müller aus München im Grand Prix aber gegenseitig die Daumen – mit Erfolg.

Werth wiederholte auf Don Johnson ihren Vorjahressieg vor Dorothee Schneider (Framersheim). Müller, die ohne ihren Ehemann, Fußball-Weltmeister Thomas Müller angereist war, platzierte sich auf Birkhof’s Dave als Neunte nicht nur in den Geldrängen, sondern qualifizierte sich auch für den Grand Prix Special (heute, 10 Uhr). Dort wird sie wieder auf ihre Trainerin treffen.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten die beiden gemeinsam. Etwa alle sechs Wochen lädt Müller fünf Pferde in ihren Transporter und fährt neun Stunden nach Rheinberg, um zu lernen und besser zu werden. „Isa geht sehr einfühlsam auf Reiter und Pferde ein. Sie macht nichts nach Schema F, behandelt Tiere ganz individuell. Das schätze ich besonders“, strebt auch die 27-Jährige, die seit 2015 das Goldene Reitabzeichen besitzt, nach einer Ausbildung, die den Pferden gerecht wird.

„Der Schlüssel zum Erfolg mit vielen verschieden Pferden ist es, sich auf ihre Eigenheiten einzulassen“, liebt Werth charakterstarke Tiere. „Wenn Johnny auf dem Abreitplatz nicht bockt, stimmt etwas nicht, dann werde ich nervös“, war sie wegen der Eskapaden ihres 16-jährigen Don Johnson vor dem Grand Prix sogar beruhigt. „Es ist faszinierend, wie jung er geblieben ist.“

Der Wallach bot im Viereck mit 76,565 Prozent eine tadellose Leistung. „Er hatte nach seinem Sieg im Dezember in Genf Pause, heute bin ich richtig zufrieden“, lobte die sechsfache Olympiasiegerin ihren Routinier und fand auch am Auftritt von Lisa Müller und ihrem 15-jährigen Dave Gefallen. „Das haben sie sehr gut gemacht, es hätten sogar noch ein paar Punkte mehr sein können“, beurteilte sie die 67,608 Prozent. Dass das Training bei Werth Wirkung zeigt, belegte Müller mit einem Verweis auf ihren ersten Start in Mannheim vor vier Jahren. Da reichte es nur zu 63 Prozent.

Anruf kostet Überwindung

„Ich habe Isa gelegentlich auf Turnieren gesehen und sie auch mal wegen eines Trainings angesprochen. Sie sagte, ich solle sie mal anrufen, aber es hat lange gedauert, bis ich mich traute“, weiß Müller, dass Werth nur wenige Schützlinge hat. „Dann habe ich mir einen Ruck gegeben, denn Pferde sind meine Leidenschaft von Kindesbeinen an.“

Ihre ersten Reitstunden verdiente sie sich durch Stallarbeit und vor einigen Jahren hatte sie sogar einen Ausbildungsplatz als Pferdewirtin. Doch wegen eines damals möglichen Vereinswechsels ihres Mannes wollte sie ihn „nicht annehmen, um gleich wieder aufzuhören“.

Heute ist sie ihre eigene Chefin auf dem eigenen Reiterhof im Süden von München und hat einen vollen Arbeitstag. Täglich bewegt sie acht bis zehn Pferde jeweils eine Stunde, dazu kommen Büroarbeiten. Ihr Mann hat sich der Zucht verschrieben und kennt sich sehr gut aus – wie Werth bestätigt. „Das, was Lisa und Thomas machen, ist sehr professionell. Ihr Management stimmt“, erklärt sie, weshalb sie trotz ihres sehr gefüllten Terminkalenders das Coaching übernommen hat.

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