Sport

100 Meter Hürden DM-Silber und Ticket für Berlin gesichert

Lobe hat noch lange nicht genug

Archivartikel

Nürnberg.Die Gelegenheit war auf einmal da – und Ricarda Lobe ließ sich nicht zweimal bitten. Nachdem Topfavoritin Cindy Roleder im Vorlauf über 100 Meter Hürden einen Fehlstart produziert hatte und disqualifiziert worden war, bot sich der 24-Jährigen von der MTG Mannheim eine unerwartete Chance. Bereits im vergangenen Jahr hatte Lobe bei der DM die Silbermedaille geholt. Nun wusste sie: Dieses Kunststück kann ich wiederholen!

Der Schützling von Trainer Rüdiger Harksen packte die Gelegenheit beim Schopfe. Im Finale, das zu einem der Höhepunkte des ansonsten langatmigen ersten DM-Tages avancierte, musste Lobe nur eine ziehen lassen: Die Wattenscheiderin Pamela Dutkiewicz siegte in neuem Meisterschaftsrekord von 12,69 Sekunden. Direkt dahinter überquerte die Mannheimerin in 13,06 sec die Ziellinie. Damit sicherte sich Lobe zudem das Ticket für die Heim-EM in Berlin, auch wenn die offizielle Nominierung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes noch aussteht.

„Ich habe das Spagat zwischen Spaß haben und sich der Drucksituation stellen ganz gut gemeistert“, sagte Lobe schon sehr aufgeräumt im Zielbereich: „Die Silbermedaille ist natürlich super, denn damit habe ich mich im Kampf um die EM-Teilnahme gegen meine Konkurrentinnen durchgesetzt. Die Zeit hätte jedoch noch ein bisschen besser sein können, weil die Trainingsleistungen mehr versprochen haben.“

Mental stark

Coach Harksen hatte dementsprechend keinen Grund zur Klage. „Ricarda hat auf den Punkt ihre Leistung gebracht, davor ziehe ich den Hut“, sagte der 63-Jährige. „Sie hat sich vor allem mental sehr stark präsentiert, weil hinter den überragenden Dutkiewicz und Roleder die anderen deutschen Hürdensprinterinnen ein ähnliches Potenzial haben.“

Um bei der EM ihre Erwartungen zu erfüllen, beginnt Lobe direkt nach der DM mit der unmittelbaren Vorbereitung auf Berlin. Wie ihre DLV-Kolleginnen feilt sie im Trainingslager in Kienbaum an ihrer Form. „In zwei Wochen beginnt ja schon die EM, viel Zeit verbleibt nicht mehr“, erklärt die Pfälzerin, die sich das Finale zum Ziel gesetzt hat: „Ich weiß, dass ich das drauf habe. Wenn ich mein Potenzial abrufe, ist das auf jeden Fall möglich.“

Um den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen, will sie sich weiter von den deutschen Top-Hürdensprinterinnen einiges abschauen: „Von Pamela und Cindy kann ich noch viel lernen. Ich versuche, so alles aufzusaugen.“ Dass ihr Dutkiewicz und Roleder derzeit noch einige Zehntel voraus sind, hat Lobe registriert. Sie akzeptiert das – auch weil sie weiß, dass der Leistungsrückstand nicht in Stein gemeißelt sein muss. „Man sagt, dass es im Hürdensprint ab einem Alter von 25 Jahren erst richtig rund geht. Pam und Cindy sind da drüber – ich nicht.“