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Formel 1 Wer ab 2019 in den Silberpfeil-Cockpits sitzt, steht noch nicht fest / Potenzial von Max Verstappen bekannt

Mercedes lässt sich alle Optionen offen

Singapur.Mit der schwäbischen Küche hätte Max Verstappen vermutlich weniger Probleme. Bei einem PR-Termin in Singapur sollte der niederländische Red-Bull-Pilot eine exotische Frucht probieren. Eine Spezialität der Region. "Selbst wenn das heißeste Model das essen würde: Ich würde nein sagen", meinte der 19-Jährige einem Bericht der "Straits Times" (Donnerstag) zufolge. Ob er auch nein sagen würden, wenn einer der heißesten Formel-1-Rennställe Verstappen ab 2019 engagieren wollte?

Das deutsche Werksteam Mercedes hält sich jedenfalls alle Optionen offen. Der neue Vertrag für Valtteri Bottas wurde wieder nur auf ein Jahr befristet. Der aktuelle Kontrakt mit Lewis Hamilton endet nach 2018.

"Max zählt zu den großen zukünftigen Formel-1-Stars", sagte jüngst Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff über Verstappen. Wie Bottas auch, so Wolff. Dennoch reichte es vertraglich wieder nur für eine weitere Saison. Daniel Ricciardo nannte Wolff ebenfalls. Er ist der australische Teamkollege von Verstappen bei Red Bull, bekannt neben seinen sportlichen Qualitäten für sein Grinsen und den "Shoey": Der zweifelhafte Champagner-Genuss auf dem Podium aus seinen verschwitzten Rennschuhen.

Die Verantwortlichen des einstigen Branchenführers wissen um die Qualitäten ihrer beiden aktuellen Fahrer freilich auch. Um bestenfalls beide über 2018 hinaus zu halten, müssen wieder dauerhaft Siege und Titel im Red Bull her.

Ungeduld steigt

Schließlich wird Ricciardo nächstes Jahr 30 Jahre alt. "Es gab eine Phase, in der ich sehr ungeduldig war. Es ist nicht viel besser geworden, weil ich die Formel 1 nicht ohne einen Titel verlassen will", sagte er nun in einem Interview dem Fachportal motorsport.com: "Ich möchte es schaffen, je früher desto besser." Von Herzen gern würde er mit Red Bull den Titel holen. Bedingung für einen weiteren Verbleib auf dem möglichen Weg zum WM-Sieg: "Sie müssen mich überzeugen, dass ich mit dem Auto Rennen gewinnen kann."

Verstappen, der am 30. September seinen 20. Geburtstag feiern wird, kann es eh nicht schnell genug gehen. Die Pleitenserie in diesem Jahr setzt dem Sohn von Ex-Pilot Jos Verstappen ordentlich zu. Frust und Unzufriedenheit sind groß, ein Erfolg auf der Stadtstrecke von Singapur, die den Red-Bull-Boliden wie kein anderer Kurs liegt, an diesem Sonntag (14 Uhr MESZ/Sky und RTL) wäre zumindest eine Linderung.

"Ich denke, wird sollten in der Lage sein, in diesem Jahr ums Podium mitzufahren", sagte er vor dem 2017er Nachtrennen. Als WM-Sechster reist Verstappen an, nachdem er sechs von 13 Rennen in diesem Jahr nicht beenden konnte und es lediglich in China mit Platz drei einmal aufs Podest schaffte.

Dabei will Verstappen nicht einer unter Dreien sein, sondern der Beste. Sein herausragendes Talent, gepaart mit extremer Kaltschnäuzigkeit und dem Hang zur Grenzausreizung, die schon frühere Champions ausmachte, sind unbestritten.

Ferrari eigentlich keine Option

Theoretisch wäre auch bei Ferrari nach der nächsten Saison ein Platz frei, dann endet der Kontrakt von Kimi Räikkönen, der am 17. Oktober 38 Jahre alt wird. Der von Kollege Vettel, Nummer 1 bei Ferrari, läuft aber noch bis Ende 2020. Es ist schwer vorstellbar, dass er zusammen mit Verstappen in einem Team fahren würde - auch weil beide in der Vergangenheit auf der Strecke schon mehrfach aneinander geraten sind.

Bei Mercedes müssen sie sich alle Möglichkeiten offen halten. Der spontane Rückzug von Nico Rosberg nach dessen Titel Ende 2016 hat das Team überrascht und hart getroffen. In Windeseile musste vor einem Jahr Ersatz her. Noch einmal wollen sie sich so einer Situation nicht aussetzen. Ob das Team nach dem Geschmack von Verstappen sein könnte, wird man sehen.