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Münchner Machtdemonstration im Spitzenspiel

München.Robert Lewandowski strahlte. Und dafür hatte der Pole gleich ein paar Gründe. „Wir haben richtig gut gespielt und starken Fußball gezeigt“, sagte der Stürmer, der mit dem FC Bayern München das Topspiel gegen Borussia Dortmund mit 5:0 (4:0) gewann, die Tabellenführung mit seinem Club vom BVB übernahm und mit zwei Treffern nicht nur einen großen Teil zum Erfolg beitrug, sondern mit seinen Fußball-Bundesliga-Toren 200 und 201 noch eine magische Marke knackte. In diesen exklusiven Kreis sind noch nicht viele vor ihm vorgedrungen. Doch Letzteres dürfte ihm ziemlich egal gewesen sein, der Sprung an die Spitze war das Entscheidende für die Bayern, während die Borussen nach der Klatsche und dem Verlust des ersten Ranges frustriert vom Platz schlichen. „Wir haben katastrophal gespielt“, analysierte BVB-Kapitän Marco Reus knallhart: „Wenn wir so auftreten, bekommen wir noch gegen ganz andere Mannschaften Probleme.“

Was war vor dieser Partie nicht alles orakelt worden. Was spricht für den BVB? Und was für die Bayern? Doch was da dann in der Münchner WM-Arena passierte, hatte wohl niemand erwartet. Denn man fragte sich in der ersten Halbzeit vor allem: Wo sind all die Borussen hin, wo sind sie geblieben? Auf dem Feld sah man die desolaten Dortmunder eigentlich kaum, zumindest nicht in der Nähe ihrer Gegenspieler. Und wenn dann doch einmal ein Mann im BVB-Dress positiv auffiel, dann war es Torwart Roman Bürki. Denn der Schweizer war trotz eines niemals für möglich gehaltenen 0:4-Pausenrückstands mit Abstand bester Mann seines Teams und verhinderte noch deutlich Schlimmeres. Keine Frage: Wenn die Borussia Meister werden will, muss da schon ein wenig mehr kommen. Vor allem Gegenwehr.

Da fiel es in der Gesamtbetrachtung auch keinesfalls mehr ins Gewicht, dass die Mannschaft von Trainer Lucien Favre die erste dicke Möglichkeit der Begegnung hatte: Reus legte von der Außenlinie schön auf die Strafraumkante zurück, von dort aus schob Mohamed Dahoud den Ball den Pfosten (6.). Doch das war am Ende - wenn überhaupt - nur noch eine sehr, sehr kleine Randnotiz in einem vermeintlichen Topspiel, das dann eben doch keines war. Denn dafür fehlte den Münchnern schlichtweg ein Gegner auf Augenhöhe. Zu sehen bekamen die 75 000 Zuschauer Einbahnstraßen-Fußball, einen Klassenunterschied oder ganz einfach eine Münchner Machtdemonstration.

Die Dortmunder begannen schon ängstlich und fahrig, gleich in den ersten Minuten leisteten sie sich im Spielaufbau leichtfertige Ballverluste durch die Innenverteidiger Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou, der mit einer Slapstick-Einlage das 2:0 für den Titelverteidiger vorbereitete. Er spielte den Ball direkt in die Füße von Lewandowski, der allein auf Bürki zustürmte und vollendete (10.).

Zuvor hatte Mats Hummels die Münchner nach einem Eckstoß per Kopfball in Führung gebracht (6.). Und auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit fiel vor allem auf, dass die Lufthoheit den Münchnern gehörte, während die Borussen nahezu bei jedem Standard orientierungslos durch den Strafraum irrten. „Jeder Eckball war eine Torchance“, schimpfte BVB-Verteidiger Manuel Akanji.

Schon in der ersten Minute verpasste Hummels nach einem Standard per Kopf das 1:0 - und schon früh wurde trotz des Dortmunder Pfostenschusses klar, dass nur die Bayern die Bedeutung der Begegnung verstanden und vor allem keine Furcht vor der Niederalge, sondern ausschließlich Lust auf den Sieg hatten.

Die Hereinnahme von Javi Martinez zahlte sich nicht nur wegen dessen Tores zum 3:0 (41.) aus, sondern auch wegen der Präsenz des laufstarken Abräumers im Mittelfeld. Der Spanier überzeugte als Zweikampfmaschine und Antreiber, er gefiel sich in seiner Rolle als Spielverderber und nahm den Dortmundern früh die Lust. Außerdem überragte Kingsley Coman auf dem linken Flügel, wo er mit Lukasz Piszczek praktisch machte, was er wollte und immer wieder seine deutlichen Geschwindigkeitsvorteile ausspielte.

Kurzum: Die 4:0-Pausenführung, die Serge Gnabry abermals per Kopf nach Hereingabe von Müller besorgte (43.), war verdient und keinesfalls die Folge einer konsequenten Münchner Chancenverwertung. Im Gegenteil: Bürki vereitelte mit teils spektakulären Reflexen gegen Lewandowski (19. und 38.), Müller (19.), Hummels (31.) weitere Tore der Bayern, die wirklich alles unter Kontrolle hatten. Das drückten auch die Zahlen aus: 63 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Die Dominanz war erdrückend und spiegelte sich im Resultat entsprechend wieder.

Zur Halbzeit erlöste Favre den überforderten Zagadou und wechselte Julian Weigl ein, der mit seiner Ballsicherheit ein wenig Stabilität und Ruhe in die BVB-Aktionen brachte. Es ging ohnehin nur noch um Schadensbegrenzung, was dann auch halbwegs gelang. Der Anteil der Münchner war aber daran mindestens genauso groß. Denn angesichts des deutlichen Vorsprungs verwalteten die Bayern ihre Führung nur noch - und das reichte locker aus, um einen komplett enttäuschende Dortmunder Borussia in Schach zu halten und sogar noch durch Lewandowski auf 5:0 (89.) zu erhöhen.

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