Sport

Auszeichnung Bei der Vergabe des Silbernen Lorbeerblattes fordern die Starter der Winterspiele von Pyeongchang bessere finanzielle Unterstützung des Staates

Olympia-Asse schlagen im Schloss Bellevue Alarm

Berlin.Im feierlichen Ambiente des Berliner Schlosses Bellevue haben deutsche Sportler nach mehr Unterstützung aus der Politik gerufen. „Der Anspruch ist groß in unserem Land, von Seiten der Funktionäre und der Bevölkerung“, sagte Biathlet Arnd Peiffer. Der Sprint-Olympiasieger von Pyeongchang hielt im Namen der Athleten eine Dankesrede, nachdem die deutschen Medaillengewinner der Olympischen und Paralympischen Winterspiele sowie der Deaflympics der Gehörlosen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Silberne Lorbeerblatt erhalten hatten. Peiffer appellierte an die Politik, „die Fördermittel zu erhöhen“.

Zuletzt belief sich die jährliche Spitzensportförderung auf 170 Millionen Euro. Das Bundesinnenministerium hatte im Entwurf für den Haushalt 2019 nur eine Steigerung von 30 statt der vom Deutschen Olympischen Sportbund geforderten rund 100 Millionen Euro vorgesehen. Für 2018 wurden lediglich acht Millionen Euro mehr eingestellt.

Francesco Friedrich, Olympiasieger mit dem Zweier- und dem Viererbob, sieht vor allem für eine systematische Talentförderung Finanzbedarf. „Bei uns hängt zu viel an Zufällen“, sagte der Sachse. „Es sind fast immer nur besondere Charaktere, die mit viel Eigenengagement nach oben kommen.“ Der Bobpilot vermisst den ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) als vernehmbare Stimme für den Sport: „Das war ein starker Typ.“

„Mehr Rückhalt aus der Politik“

Biathlet Erik Lesser fehlt die Unterstützung, seit Horst Seehofer (CSU) an der Spitze des Bundesinnenministeriums steht. „De Maizière war sehr spitzensportbegeistert“, sagte der Thüringer, „jetzt aber hat man fast den Eindruck, dass das Innenministerium die Spitzensportreform ad acta gelegt hat“. Mit dieser Reform will der DOSB seine Strukturen effektiver gestalten und unter anderem mehr internationale Erfolge erreichen. Lesser wünscht „mehr Rückhalt aus der Politik“, damit der Sport seiner gesellschaftlichen Bedeutung gerecht werden könne. Kurz zuvor hatte Steinmeier den Sport in seiner Ansprache als eine „friedenserhaltende Kulturtechnik“ bezeichnet.

Das Silberne Lorbeerblatt – die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik für Sportler – bekamen die von Biathletin Laura Dahlmeier und der im Langlauf und Biathlon erfolgreichen Behindertensportlerin Andrea Eskau angeführten Medaillengewinner. Die Eishockeyspieler, die in Pyeongchang das Finale erreicht hatten, bezeichnete Steinmeier als „unsere Gute-Laune-Bären“. „Es war eine Riesenehre und ein außergewöhnliches Erlebnis, den Bundespräsidenten im Ambiente des Schloss Bellevue treffen zu dürfen. In solch einem Moment sind die Erinnerungen an die Olympischen Spiele und unseren historischen Erfolg wieder präsent“, erklärte Marcel Goc von den Mannheimer Adlern, der nach Olympia seine internationale Karriere beendet hatte.

Steinmeier setzte im Zuge der Ehrung auch ein Zeichen gegen Manipulation im Sport. Der Bundespräsident ehrte Personen, die seit langem öffentlich gegen Doping eintreten. Der Journalist Hajo Seppelt, der Biochemiker Wilhelm Schänzer, die bei Transparency International tätige Juristin Sylvia Schenk und Thomas Weikert, der Präsident des Tischtennis-Weltverbands, erhielten den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. dpa

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