Sport

Turnen Fabian Hambüchen geht nach seinem Karriereende seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf an und sucht noch Mitstreiter

Reck-König schnürt Laufschuhe

Mannheim.Ein Olympiasieger, der noch nie länger als 3000 Meter am Stück gelaufen ist? Auf den ersten Blick erscheint das schwer vorstellbar, doch Fabian Hambüchen gibt unumwunden zu, dass Laufen noch nie zu seinen Stärken gehört hat. „In der Jugend sind wir im Frühtraining mal Laufen gewesen, aber dann war relativ schnell klar: Wir brauchen Schnelligkeit, Kraft, Kraftausdauer und natürlich Beweglichkeit“, blickt der 30-Jährige auf seine lange Karriere zurück. Doch das soll sich nun ändern: Nachdem sich Hambüchen während der Winter-Olympiade 2018 als TV-Experte schon im Skispringen und Riesenslalom versucht hat, stellt er sich jetzt seiner nächsten Herausforderung: Am 14. Oktober will er beim „The Great 10k“ in Berlin erstmals die 10 000-Meter-Distanz absolvieren und hat davor sichtlich Respekt: „Zehn Kilometer? Das ist schon weit, oder?“

Erste Eindrücke, wie es bei einer so großen Laufveranstaltung zugeht, sammelte der Gold-Turner von Rio am Wochenende in Mannheim, wo er beim 15. Dämmermarathon die Läufer mit der Startschusspistole auf die Strecke schickte und zugleich Mitstreiter für sein Lauf-Projekt suchte. „Beim so genannten Schweinehund-Lauf habe ich Teilnehmer kennengelernt, denen es ähnlich geht wie mir. Sie passen perfekt in mein Team ’HeimlicheSieger’ und sind für mich die wahren Helden“, erläuterte Hambüchen das von Olympia-Sponsor Bridgestone unterstützte Projekt „Verfolge deinen Traum – egal was kommt“.

Dafür werden bundesweit 15 Lauf-Anfänger gesucht, die sich dann gemeinsam mit dem Ausnahmesportler auf den „Zehner“ im Herbst vorbereiten – Medizincheck und Trainingspläne inklusive. Der Sport – er lässt den Überflieger am Reck eben nicht los, auch wenn Hambüchen seine Karriere Ende November vergangenen Jahres offiziell beendet hat. Auch das Gold-Reck aus Rio steht inzwischen in der Wetzlarer Trainingshalle und rostet dort keineswegs vor sich hin.

Ab und zu am Gold-Reck von Rio

„Ab und zu gehe ich mal ran, generell versuche ich, drei- bis vier Mal die Woche etwas zu tun. Ich mache viel Fitness und will ja auch die Statur nicht verlieren“, berichtet Hambüchen. Angesichts von vielen Verpflichtungen für Sponsoren oder seinem Studium an der Sporthochschule in Köln, kommt die Regelmäßigkeit allerdings etwas zu kurz. „Das Laufen ist jetzt eine gute Motivation, um dranzubleiben.“

Die Einheiten für die Ausdauerprüfung im Herbst wird Hambüchen aber dennoch gut terminieren müssen. Im heimischen Wetzlar ist der 30-Jährige inzwischen unter die Häuslebauer gegangen, in Hessen ist der Weltklasse-Turner seit 2017 zudem als „Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung“ unterwegs und macht Erwachsenen Mut, Lesen und Schreiben zu lernen, wenn das in der Schule versäumt wurde. Als Olympia-Experte für Tokio 2020 ist er ebenfalls schon angefragt, mit dem Deutschen Turner-Bund (DTB) laufen Gespräche über eine Trainertätigkeit. „Vielleicht trete ich auch in die Fußstapfen meines Vaters als Trainer“, sagt Hambüchen, der sich jetzt noch nicht festlegen will. „Ich schnuppere momentan überall mal rein“, berichtet der Goldjunge von Rio. Die nächsten zwei Jahre ist er dabei über Sponsorenverträge auch finanziell abgesichert und will in dieser Zeit noch einige Erfahrungen sammeln. Der 10 000-Meter-Lauf im Oktober könnte dabei zu seinen größten Herausforderungen zählen.

Info: Bewerbungen noch bis Mittwoch unter http://egalwaskommt.de