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Schwimmen Weitere Medaille für deutsche Mannschaft bei der EM in Glasgow / Bundestrainer Henning Lambertz zeigt sich zufrieden

Sarah Köhler wird Fünfte – Lagen-Staffel holt Bronze

Glasgow.Freistilschwimmerin Sarah Köhler hat ihre dritte EM-Medaille verpasst. Die 24-Jährige schlug in Glasgow über 400 Meter nach 4:07,48 Minuten an und wurde Fünfte. Zu Bronze und Holly Hibbott aus Großbritannien fehlten der Frankfurterin knapp zweieinhalb Sekunden. Gold sicherte sich die Italienerin Simona Quadarella vor Ajna Kesely aus Ungarn.

Am Dienstag hatte Köhler, die am Olympiastützpunkt in Heidelberg trainiert und Mitglied des „Teams Tokio“ der Metropolregion Rhein-Neckar ist, Silber über 1500 Meter gewonnen und anschließend ihren Beitrag zu Staffel-Bronze über 4 x 200 Meter geleistet. Auch nach dem letzten Tag der Beckenwettbewerbe sind die Europameisterschaften für sie noch nicht vorbei. Am Samstag will sie in der 4 x 1,25 Kilometer Staffel im Freiwasser starten.

Die Bronzemedaille hat derweil die deutsche Lagen-Staffel über 4 x 100 Meter gewonnen. Christian Diener, Fabian Schwingenschlögl, Marius Kusch und Damian Wierling mussten sich mit ihrer Zeit von 3:33,52 Minuten nur Großbritannien und Russland geschlagen geben. Wierling sicherte mit einem Vorsprung von 18 Hundertstelsekunden Rang drei vor Litauen. Im Vorlauf waren Jan-Philip Glania, Schwingenschlögl, Kusch und der Mannheimer Philip Heintz geschwommen.

Im Stimmungshoch

Insgesamt tut diese EM den deutschen Schwimmern gut. Nach den von Streitereien und Negativschlagzeilen geprägten Weltmeisterschaften 2017 machten Florian Wellbrock, Sarah Köhler & Co. durch starke sportliche Leistungen und gute Laune in Glasgow auf sich aufmerksam. „Die Stimmung ist eine komplett andere als im letzten Jahr“, sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz.

Vor allem einige seiner zuvor nicht so bekannten Sportler nutzten die European Championships für Eigenwerbung. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass die Arrivierten wie Vize-Weltmeisterin Franziska Hentke und Lagen-Ass Philip Heintz selbst mit seiner Silbermedaille nicht so zufrieden war.

Schon am ersten Tag der Wettkämpfe im Tollcross International Swimming Centre überraschte der 21-jährige Henning Mühlleitner mit Bronze über 400 Meter Freistil, dann holte die 4 x 200 Meter Freistil Mixed-Staffel bei der Premiere Gold. Auf der Tribüne feierten Sportler und Betreuer den Titel lautstark, in den Katakomben der engen Schwimmhalle wurden die Sieger mit einer Team-Laola empfangen. Die Mannschaft präsentierte sich auch wirklich als solche.

Fünf weitere Medaillen folgten in den nächsten fünf Tagen. Die Ausbeute der Heim-EM in Berlin 2014, als es sechsmal Edelmetall gab, wurde übertroffen. Doch EM-Erfolge hatten schon in der Vergangenheit nur bedingt Aussagekraft für Weltmeisterschaften. Auf dem Weg nach Tokio wird die WM in einem Jahr im südkoreanischen Gwangju zu einem wichtigeren Gradmesser.

Philip Heintz, der als Topfavorit über 200 Meter Lagen gestartet war und Zweiter wurde, zog zwar ein positives Fazit, jedoch mit Einschränkungen. „Ich bin zu 70 Prozent zufrieden“, sagte der 27-Jährige. „Ich habe Silber gewonnen, das ist super gut. Die Zeiten sind die 30 Prozent. Da habe ich mir schon mehr erhofft.“ In 1:57,83 Minuten war das Mitglied des „Teams Tokio“ mehr als eine Sekunde langsamer als bei seiner EM-Qualifikations- und Weltjahresbestzeit Mitte April.

Insgesamt profitierten die deutschen Schwimmer von den in das Multi-Sport-Event European Championships eingebetteten Europameisterschaften. Wellbrocks Gold-Coup verfolgten 2,63 Millionen Zuschauer in der Heimat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. dpa