Sport

Turnen Historische Chance auf EM-Medaille vergeben

Schäfer zu nervös

Stettin.Mit versteinerter Miene blickte Pauline Schäfer (Bild) auf die Anzeigetafel: Übernervös hat die Chemnitzerin am Sonntag die große Chance auf die erste EM-Medaille einer deutschen Turnerin am Schwebebalken seit 32 Jahren vergeben. Bei der EM in Stettin belegte die 22-Jährige nach einem Absturz und weiteren Unsicherheiten mit 11,700 Punkten nur den sechsten Platz. Damit ging das deutsche Turn-Team wie schon im Vorjahr bei der EM in Glasgow gänzlich leer aus.

„Scheiße. Das war mehr als ärgerlich“, fluchte die Balken-Spezialistin. „Am liebsten würde ich gleich noch mal ans Gerät gehen: Aber im Turnen hat man nur die eine Chance“, sagte Schäfer enttäuscht. Sie meisterte zwar den von ihr selbst kreierten Schäfer-Salto, doch konnte sie nicht an ihren glänzenden Vorkampf anknüpfen, den sie als Zweite beendet hatte. „Es hätte zu einem guten Ergebnis reichen können. Aber ich war viel nervöser als sonst, alles war mehr als wacklig“, ärgerte sie sich. Da auch die Vorkampfbeste Giorgia Villa aus Italien zweimal stürzte, ging der Titel mit 13,566 Punkten an die Britin Alice Kinsella.

Trainingsrückstand vorhanden

„Das Niveau war nicht hoch: Die Chance auf eine Medaille war sehr groß“, urteilte Cheftrainerin Ulla Koch. „Vielleicht hat sich Pauline zu viel Druck gemacht. Aber aufgrund der Verletzungen fehlen ihr 50 bis 70 Übungen. Diese Härte holt man sich im Training“, sagte die Chefin.

Pauline Schäfer gewann vor eineinhalb Jahren in Montreal als erste Deutsche seit 36 Jahren den WM-Titel am „Zittergerät“ Balken. „Als Weltmeisterin ist es schwerer. Die Ansprüche von außen und mir selbst sind seit dem Titel deutlich gewachsen“, hatte sie vor dem Finale den Druck eingeräumt. dpa