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Biathlon Jahrelang war der Uhinger die Nummer eins der deutschen Skijäger – jetzt zwingt ihn sein Körper zum Karriere-Ende

Schempps leiser Abschied

Archivartikel

Berlin.Simon Schempp will noch, sein Körper aber nicht mehr: Nicht ganz überraschend hat der langjährige Top-Biathlet nach 20 Jahren seine Sportkarriere beendet. „Seit einiger Zeit spüre ich, dass mein Körper nicht mehr voll belastbar ist, und an diesem Zustand konnte leider auch mein unbändiger Wille nichts ändern“, schrieb der 32 Jahre alte Uhinger am Donnerstag auf Instagram. „Schlussendlich konnte ich nicht mehr der Biathlet sein, der ich lange war, weder im Wettkampf noch im Training. Dieses Signal kann und will ich nicht länger ignorieren.“

Deshalb sei es an der Zeit aufzuhören: „Natürlich war das die schwerste Entscheidung meiner Laufbahn, aber es fühlt sich gut und genau richtig an.“ Schempp war jahrelang der Taktgeber und nicht nur als Staffelschlussläufer laut seines Teamkollegen Erik Lesser ein Mann mit „Eiern aus Stahl“. Doch in diesem Winter war auch sein dritter Versuch gescheitert, in die Weltspitze zurückzukehren. „Lieber Simon, danke für die gemeinsame Zeit und alles Gute für Deine Pläne abseits des Lebens als Athlet. Alles Weitere persönlich“, erklärte Olympiasieger Arnd Peiffer.

Schempp hatte nach einer guten Saisonvorbereitung die Qualifikation für das Weltcupteam verpasst. Bei seinen beiden Weltcupstarts in Oberhof Anfang Januar war der zweimalige Olympia-Zweite nur 45. und 58. geworden und wieder aus dem Team genommen worden. „Simon war über Jahre eine der wichtigsten Stützen, er ist ein absoluter Vorzeigeathlet, der in den langen Jahren seiner Biathlon-Karriere die Mannschaft geprägt und sich vor allem durch hohen Trainingsfleiß und seinen starken Willen ausgezeichnet hat. Wir alle hätten Simon von Herzen gegönnt, dass er nach seiner langwierigen Verletzung zurück zu alter Stärke findet“, sagte der Sportliche Leiter Bernd Eisenbichler. Schempp wurde 2017 Weltmeister im Massenstart und verpasste ein Jahr später in der gleichen Disziplin nur um Zentimeter gegen den Franzosen Martin Fourcade den Olympiasieg. Neben acht WM-Medaillen holte der „Schemppinator“ bei Olympia zweimal Silber und einmal Bronze.

Seit seinem Weltcup-Debüt 2009 in Vancouver war er fester Bestandteil des Nationalteam. Doch nach einem Radsturz im Sommer 2018 hatte Schempp immer wieder Probleme und fand nie zu alter Form zurück. In diesem Jahr verpasste der zwölfmalige Weltcupsieger, der während seiner Karriere immer wieder mit teils gravierenden gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, zum dritten Mal nacheinander eine WM. Er will sich nun auf seine berufliche Ausbildung konzentrieren und strebt ein Hochschulstudium an.

Brisanter Besseberg-Bericht

Zeitgleich mit Schempps Karriere-Ende sorgt eine unabhängige Überprüfungskommission für Aufregung im Biathlon-Sport. Dabei geht es um jahrzehntelange Dopingvertuschung und Korruption. Mit Luxusreisen, teuren Uhren, hunderttausenden Dollar und Prostituierten soll sich der frühere Weltverbandschef Anders Besseberg auch für sein Wegsehen bei russischen Dopingfällen belohnt haben lassen. Nach dem Bericht der unabhängigen externen Prüfungskommission (ERC) habe Besseberg „systematisch korruptes und unethisches Verhalten“ an den Tag gelegt. Der Norweger und später auch die ehemalige Generalsekretärin Nicole Resch sollen zwischen 2008 bis 2018 offensichtlich „Interessen des russischen Verbandes, insbesondere im Zusammenhang mit der Dopingbekämpfung, ohne triftigen Grund geschützt haben“, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten ERC-Abschlussbericht. Besseberg und Resch bestreiten die Vorwürfe. dpa

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