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Radsport Abbruch der 19. Tour-Etappe nach Unwetter / Mitfavorit Pinot gibt auf, Bernal erobert Gelbes Trikot / Etappe am Samstag verkürzt

Schlammlawine stoppt Alpen-Spektakel

Archivartikel

Tignes.Als auch noch eine riesige Schlammlawine den Col de l’Iseran hinunterrollte, war das Chaos bei der Tour de France perfekt. Nach Schnee, Regen- und Hagelschauern standen Emanuel Buchmann und Co. in Regenjacken hilflos am Straßenrand. Zuvor waren sie an einem Tag für die Geschichtsbücher auf der rasenden Abfahrt gerade noch rechtzeitig gestoppt worden. Tourchef Christian Prudhomme hob verzweifelt die Arme, während ein großes Räumfahrzeug mit den Schlamm- und Wassermassen kämpfte. Das Alpen-Spektakel wurde am Freitag mit dem Abbruch der 19. Etappe auf die Spitze getrieben.

„Man hat gesehen, dass es einfach nicht möglich war. So etwas ist mir noch nie passiert, dass abgebrochen wurde. So viel Hagel habe ich auch noch nie gesehen“, sagte Buchmann, der auch noch zur Dopingkontrolle musste. Tourchef Prudhomme fügte hinzu: „Was für ein Tag. Wir mussten das Rennen abbrechen. Ich bin froh, dass wir die Fahrer ohne Probleme in ihre Hotels bekommen haben.“

Die Sorgen sind für die Organisatoren damit aber noch nicht vorbei. Wegen Erdrutschen und zu erwartender Gewitterschauer wurde am späten Freitagabend auch die 20. Etappe verkürzt. Albertville als Startort und Val Thorens als Zielort bleiben zwar bestehen, doch dazwischen wird mächtig abgekürzt. Statt 130 Kilometern müssen Buchmann und Co. nur etwa 60 Kilometer absolvieren. Das Wetter-Tohuwabohu in den Alpen dürfte also auch am Samstag weitergehen.

Ungeachtet der Wetterkapriolen ging es am Freitag auch sportlich drunter und drüber – mit entscheidenden Änderungen für das Gesamtklassement. Denn die Jury entschied, die Zeitabstände auf dem Iseran zu nehmen. Dabei darf Buchmann nun sogar vom Podium auf den Champs Élysees träumen, vor dem Showdown am Samstag hat er sich auf den fünften Platz katapultiert. Nur noch 1:42 Minuten liegt er hinter dem Gelben Trikot. Neuer Spitzenreiter ist Egan Bernal, der alle Favoriten abgehängt hatte und vor dem Abbruch einem Solosieg entgegen fuhr.

Für die Grande Nation wurde es ein ganz bitterer Tag: Erst musste Frankreichs Mitfavorit Thibaut Pinot unter vielen Tränen das Rennen aufgeben, ehe am vorletzten Anstieg dessen Landsmann und Gelbträger Julian Alaphilippe einen kleinen Einbruch erlitt und nun in der Gesamtwertung 45 Sekunden hinter Bernal liegt. Der Franzose setzte auf der Abfahrt gerade zur Aufholjagd an, ehe die Ampeln plötzlich auf Rot standen. dpa

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