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Sportpolitik Die Kandidaten für das Präsidentenamt gehen nicht zimperlich miteinander um / Österreich ermittelt gegen scheidenden Verbandsboss Besseberg

Schmutziger Wahlkampf bei Biathleten

Archivartikel

Porec.Die Forderung von Erik Lesser ist eindeutig. Nur mit absoluter Transparenz und einem wirklich offensiven Anti-Dopingkampf sei die Zukunft des ins Zwielicht geratenen Biathlon-Sports zu retten. „Wenn im Biathlon Radsport-Verhältnisse einkehren, wo alle über einen Kamm geschert werden und ein genereller Dopingverdacht besteht, das wäre der Super-Gau“, sagte der zweimalige Weltmeister

Am Freitag wird im kroatischen Perec von 56 Mitgliedsverbänden, auch kleinen Biathlon-Nationen wie Brasilien, Indien oder der Mongolei, ein neuer Präsident gewählt. Es wird ein Nachfolger für den 72-jährigen Norweger Anders Besseberg gesucht, der 25 Jahre im Amt war. Auch dank ihm wurde Biathlon zu einem Top-Wintersport mit Millionenpublikum. Allerdings soll er wohl auch eine Mitschuld an einem der größten Korruptions- und Dopingskandale in der Deutschen liebster Wintersportart tragen.

Gegenseitige Vorwürfe

Den notwendigen und radikalen Neuanfang wollen die Lettin Baiba Broka oder der Schwede Olle Dahlin einleiten. Sie sind die Kandidaten, für das Präsidentenamt. Beide haben in ihren Wahlprogrammen Transparenz und einen harten Anti-Dopingkampf angekündigt. Dahlin soll jedoch gegen seine Mitbewerberin, der bisher nur Außenseiterchancen zugestanden wurden, Politik machen. Ein vielversprechender Neuanfang sieht wohl anders aus.

„Es ist bedauerlich, dass ein so erfahrener, respektabler und intelligenter Gentleman wie Dahlin meiner Meinung nach tief liegende und schmutzige Methoden gewählt hat“, sagte Broka. Dahlin soll in Interviews neben anderen Verdächtigungen gesagt haben, dass der russische Verband massiv Lobbyarbeit für die 42-Jährige leistet.

„Das Verbreiten von Gerüchten und Behauptungen, die nicht verifiziert oder bewiesen werden können, sind nicht der Stil, den ich für einen fairen Wahlkampf angemessen halte“, sagte Broka. Sie wisse weder wie der neue russische Verbandspräsident aussehe, noch habe sie je mit ihm gesprochen.

Kurz vor dem IBU-Kongress, bei dem Präsident Franz Steinle vom Deutschen Skiverband neuer Vizepräsident werden will, wurden neben den Olympiasiegern Jewgeni Ustjugow und Svetlana Slepzowa noch zwei weitere Russen wegen des Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln beschuldigt. Vorher sollen unter Besseberg neben Bestechungsgeldern für die WM-Vergabe ans russische Tjumen 2016 auch russische Dopingsünder gedeckt und 65 Doping-Proben vertuscht worden sein. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Österreichs ermittelt gegen zwölf Personen – gegen zwei, darunter Besseberg, wegen Korruptionsvorwürfen. Der Norweger bestreitet alle Vorwürfe.

Ex-Justizministerin umstritten

Dahlin tut das mit den Anschuldigungen Brokas. „Ich kommentiere keine Gerüchte. Man kann in meiner Karriere nachschauen und sieht, dass ich eine saubere Erfolgsbilanz habe und immer auf eine ethisch korrekte Art und Weise gearbeitet habe“, sagte er.

Der 63-Jährige ist seit vier Jahren IBU-Vizepräsident, arbeitete mit Besseberg im Führungsgremium zusammen. Dass er nichts von den kolportierten Vorwürfen gegen den Norweger, die neben bezahlten Jagdausflügen, Bestechungsgeldern bis hin zum Buchen von Escort-Damen reichen, mitbekommen hat, scheint zumindest zweifelhaft. Er selbst sei von den Enthüllungen „geschockt“ gewesen. Als Aufklärer und Reformer trat er bisher aber nicht in Erscheinung.

Broka saß in den zurückliegenden vier Jahre im IBU-Rechtsausschuss. Auch der früheren lettischen Justizministerin dürften zumindest Gerüchte über Bessebergs Agieren in der immer propagierten „Biathlon-Familie“ nicht entgangen sein. Für sie stellt sich die „große Frage, ob die amtierenden Präsidiumsmitglieder in ihren Zuständigkeitsbereichen ihre Pflichten ordnungsgemäß erfüllt haben. Es besteht kein Zweifel, dass für einen Wandel ein moderner Ansatz erforderlich ist.“

Negativ legen ihr einige ihre politische Zugehörigkeit zur angeblich rechtspopulistischen Partei Nationale Allianz aus. Laut Broka habe ihre konservative Partei keine solche Tendenzen. Sie stehe vielmehr für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der EU-Mitgliedsstaaten.