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Volleyball Lüneburg wittert im Pokalfinale in der Mannheimer SAP Arena seine Chance gegen Friedrichshafen

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Mannheim.Die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2014 wird sie wohl für immer verbinden. Schließlich war sie der größte Erfolg der deutschen Volleyballer seit Jahrzehnten. Doch beim DVV-Pokalfinale am Sonntag in der Mannheimer SAP Arena (13.30 Uhr) muss das gute Verhältnis von Vital Heynen und Stefan Hübner ruhen. Dann will der damalige Bundestrainer Heynen mit dem Platzhirsch VfB Friedrichshafen den dritten Pokalsieg in Serie holen. Sein früherer Co-Trainer Hübner will das als Coach des Emporkömmlings SVG Lüneburg verhindern – und den ersten Cup-Triumph nach Niedersachsen holen.

„Wir haben uns sehr gut verstanden und sehr viel Spaß gehabt bei der Nationalmannschaft“, sagte Heynen. Doch nun zählt für den emotionalen und kommunikativen Belgier, „möglichst beides zu gewinnen“: zunächst den Pokal und dann im Frühjahr die deutsche Meisterschaft, die ihm mit Friedrichshafen noch fehlt.

Der frühere Nationalspieler Hübner, als ruhiger und analytischer Typ das Gegenteil von Heynen, zeigt sich noch heute „sehr dankbar für die Zeit mit Vital“. Aber wenn man „von so einem Trainer beeinflusst wird, gerät man immer in die Gefahr, eine Kopie zu werden“, sagte der 43-Jährige, der beim sechs Jahre älteren Heynen viel fürs Coaching lernte. „Aber ich habe inzwischen meinen eigenen Weg gefunden.“

Lüneburg holt auf

Der hat mit dazu beigetragen, die Kräfteverhältnisse zu verschieben. Über Jahre dominierten Friedrichshafen und die Berlin Volleys den deutschen Volleyball fast allein, doch als derzeitiger Bundesliga-Dritter hat sich Lüneburg mittlerweile bis in die Nähe der nationalen Spitze gespielt. Auch die Alpenvolleys Unterhaching, SWD powervolleys Düren und die United Volleys Frankfurt drängen nach vorn. „Die sportliche Situation ist dieses Jahr sehr ausgeglichen“, sagte Heynen.

Unterschiede im Etat

Auch wenn der Rekordpokalsieger VfB mit mehr als zweieinhalb Millionen Euro einen mehr als viermal so hohen Etat wie Lüneburg (610 000) hat, sieht der SVG-Vorsitzende Andreas Bahlburg das Team von Hübner „fast auf Augenhöhe“ mit dem Kontrahenten vom Bodensee und „wesentlich besser als noch vor vier Jahren“. Anfang 2015 unterlag Lüneburg dem VfB im Pokalfinale mit 0:3. Doch heute glaubt Bahlburg: „Wenn wir 100 Prozent bringen, sehe ich eine Chance, den Pott in den Norden zu holen.“

Größenwahn ist das nicht, schließlich hat der „Ausbildungsverein“, wie ihn Bahlburg aufgrund seiner vielen jungen Spieler nennt, in der Bundesliga-Hinrunde mit 3:2 in Friedrichshafen gewonnen und im Pokal-Halbfinale Meister Berlin aus dem Weg geräumt. Die SVG mit ihrer sehr familiären Atmosphäre hat sich seit dem Aufstieg kontinuierlich weiterentwickelt – und vor dieser Saison den Kader erstmals weitgehend zusammenhalten können. Mit der Fertigstellung der 3500 Zuschauer fassenden Halle im Frühjahr 2020 wird der Verein einen weiteren großen Schritt tun. Mittelfristig heiße das Ziel Champions League, sagte Bahlburg nun selbstbewusst.

Gegner Friedrichshafen um Nationalspieler David Sossenheimer nähert sich nach einer langen Verletztenmisere allerdings so langsam seiner Topform. Auf die Frage, ob der VfB mit seiner Erfahrung und den größeren finanziellen Möglichkeiten nicht doch der klare Favorit sei, sagte Heynen: „Absolut nicht.“