Sport

Snowboard Ikone Shaun White gewinnt drittes Olympia-Gold im NASA-Anzug / US-Multimillionär will auch bei Sommerspielen starten

Showstar vom anderen Stern

Pyeongchang.Shaun White brüllte immer wieder „Yes, yes“. Dann schluchzte er. Über die Schulterpartie seines vom NASA-Weltraumprogramm inspirierten weißen Schneeanzugs lag eine amerikanische Flagge. Es war ein Happy End wie in einem Hollywood-Film. Nach einem Drama, das auch in Jahren noch zu den Höhepunkten dieser Olympischen Spiele von Pyeongchang gezählt werden wird. Als letzter Starter im Halfpipe-Wettbewerb holte sich der Multimillionär mit einer Sprungserie vom anderen Stern als erster Snowboarder seine dritte Olympia-Goldmedaille. Und im Phoenix Snow kreischten 5000 restlos begeisterte Zuschauer.

Ein Grinsen im Gesicht

„Meine Familie hat gesagt, dass ich es mag, eine Show abzuziehen. Sorry, aber so bin ich nun mal! Ich habe im entscheidenden Moment den besten Lauf meines Lebens gezeigt und die ganze Welt hat zugeschaut“, sagte White und grinste: „Oh Mann, dreimal Olympiagold, meine vierten Spiele – ich fühle mich gesegnet.“

Tatsächlich hatte dieser Triumph etwas von einem Wunder. Im Oktober war die 31 Jahre alte Ikone des Funsports beim Training in Neuseeland schwer gestürzt. Er teilte ein Bild seines blutverschmierten Gesichts mit seinen fast fünf Millionen Fans auf den Social-Media-Kanälen und schrieb dazu: „Ich habe immer in meinem Leben die Limits gepusht. Gewinnen ist grandios, aber die schwierigen Zeiten sind es, die dich als Mensch definieren. Ich werde noch besser zurückkommen.“

Jetzt erfüllte White sein Versprechen. Der Himmel war grau und machte die Landung der teils über fünf Meter hohen Sprünge im diffusen Licht zu einer Herausforderung. Aber White zeigte schon im ersten von drei Runs eine grandiose Trickserie mit Höchstschwierigkeiten und riss sich siegesgewiss den Helm vom Kopf. Doch dann kam im zweiten Lauf der zwölf Jahre jüngere Japaner Ayumu Hirano und verdrängte den großen Star mit einem Punkt Vorsprung auf Platz zwei. White konnte gleich anschließend nicht kontern, aber es gab ja noch den finalen dritten Lauf. Die Spannung bei Whites Auftritt war greifbar, jeder seiner turmhohen Sprünge mit einer Flugzeit von über zwei Sekunden wurde von den Fans mit einem „Yeah“ gefeiert. Als schließlich die Wertung auf der Anzeigetafel aufleuchtete, kniete sich White glücklich in den Schnee. „Der Double Cork 1440, der mich vor ein paar Monaten ins Hospital gebracht hat, hat mir hier den Olympiasieg beschert. Und zwei 1440er nacheinander habe ich auch noch nie in einem Wettkampf gezeigt. Das ist schon eine unglaubliche Geschichte“, sagte White.

Misserfolg hilft weiter

Vier Jahre hatte der Olympiasieger von 2006 und 2010 auf diesen Tag warten müssen, nachdem er bei den Winterspielen von Sotschi nur auf dem vierten Platz gelandet war. Es war im Rückblick jedoch ausgerechnet dieser Misserfolg, der ihm die Liebe zum Sport zurückgab.

Nach seinen Olympiasiegen hatte White den Fokus verloren. Er spielte als Gitarrist in der Band „Bad Things“ und wurde 2012 in Nashville sogar einmal kurz festgenommen, nachdem er in angetrunkenem Zustand um 2 Uhr nachts den Feueralarm betätigt, damit für eine Evakuierung seines Hotels gesorgt hatte und anschließend geflohen war. Auch Geld ist für den mit einem Herzfehler geborenen Mann keine Motivation. Sein Marktwert wird auf 40 Millionen Dollar geschätzt, pro Jahre streicht er über zehn Millionen Dollar ein, ohne auf einem Snowboard gestanden zu haben.

Dieser hollywoodreife Auftritt wird seine Einkünfte weiter nach oben treiben – zumal der beste Snowboarder aller Zeiten (White: „Da würde ich nicht widersprechen“) neue, spannende Pläne hat. 2020 wird Skateboarden in Tokio seine Premiere bei den Olympischen Sommerspielen feiern. Showstar White erwägt einen Start, um seine Heldengeschichte weiterzuschreiben „Es begeistert mich, die Motivation wäre da.“ Und ein neues Hollywood-Drama gewiss.