Sport

Turnen Texanerin holt viertes Mehrkampf-Gold / Seitz enttäuscht

Simone Biles gelingt Historisches

Archivartikel

Doha.Nach schweren Monaten hat Simone Biles Turn-Geschichte geschrieben. Bei den Weltmeisterschaften in Doha holte sich 21-jährige Texanerin trotz zweier Stürze als erste Turnerin den vierten WM-Titel im Mehrkampf, ihren zwölften insgesamt. Die deutsche Meisterin Elisabeth Seitz kam nach zwei Stürzen vom Balken nicht über Platz 21 hinaus (51,566 Punkte).

Für Biles war es trotz der ungewohnten Fehler ein überaus gelungenes Comeback zwei Jahre nach den Spielen in Rio, als sie viermal Gold gefeiert hatte. Hinter ihr liegt eine schwere Zeit mit Gewissensqualen. Im Januar hatte sie öffentlich gemacht, wie viele andere Teamgefährtinnen auch vom früheren US-Teamarzt Larry Nassar missbraucht worden zu sein. Strahlend feierte sie nun ihren Erfolg mit ausgebreiteter US-Fahne. Bisher hatte sie gemeinsam mit der Russin Swetlana Chorkina die Rangliste angeführt.

Platz neun außer Reichweite

Für Eli Seitz, die lange in Mannheim trainiert hatte und nun für Stuttgart startet, war indes die erhoffte Topplatzierung schon nach dem ersten Gerät passé. Gleich zweimal patzte die 24-Jährige am Zitter-Balken und wirkte auch ansonsten unsicher. „Das war wirklich schlecht. Vielleicht war es zu viel Verbissenheit“, suchte sie nach einer Begründung. Trotz danach stabiler Übungen war ein neunte WM-Platz wie im Vorjahr nicht mehr in Reichweite. In den Katakomben nahm sie ihre Mutter und ihren kleinen Bruder Gabriel in die Arme. Mut schöpfte sie für das Barren-Finale mit der drittbesten Note von 14,60 Zählern.

Denn fehlerfrei war auch Simone Biles nicht geblieben. Sie landete unter einem Aufschrei der nur wenigen Zuschauer im Aspire Dome den von ihr kreierten Sprung, den gestreckten Vorwärtssalto mit zwei Schrauben, zum Auftakt auf dem Hinterteil. Doch die Referees zeigten sich gnädig und vergaben mit 14,533 Punkten dennoch eine hohe Note, so dass ihre Aufholjagd vom dritten Gesamtrang aus begann.

Schon nach dem Barren lag sie wieder in Front, musste aber auch am Balken noch einmal vorzeitig zu Boden. Damit fiel ihr Vorsprung mit Punktzahl 57,491 vor der Japanerin Mai Murakami (55,798) und Teamgefährtin und Titelverteidigerin Morgan Hurd (55,732) knapper aus als erwartet. Für den neue US-Coach Tom Forster steht Simone Biles in einer Reihe mit Sportgrößen wie Michael Jordan oder Usain Bolt, das bekräftige er in Doha. Biles selbst bleibt auf dem Teppich: „Ich bin kein Star, ich bin nur Simone Biles.“ dpa