Sport

Leichtathletik Unverständnis über Urteil zu Hormonwerten

Solidarität für Läuferin Semenya

Archivartikel

Berlin/Johannesburg.Wut und Enttäuschung, eine Prise Sarkasmus und heftige Kritik von allen Seiten: Das CAS-Urteil im Fall von 800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya hat viele Beobachter geschockt und eine Welle der Solidarität mit der Weltklasse-Leichtathletin aus Südafrika ausgelöst. Der südafrikanische Verband prüft einen Einspruch – wie viele andere beklagte er eine „Diskriminierung“ Semenyas. Ungeachtet dessen hat die 28-Jährige ihren Start beim Diamond-League-Meeting in Doha am Freitag angekündigt.

„Mich würde wirklich interessieren, was Usain Bolt sagen würde, wenn man ihm Hormone gäbe, damit seine Beine schrumpfen. Nichts anderes verlangt man von Semenya“, sagte Balian Buschbaum, der als Yvonne Buschbaum vor seiner Geschlechtsangleichung mehrfach deutscher Stabhochsprungmeister war. „Schade, dass Gerichte über Verstand und nicht mit Empathie entscheiden“, meinte der 38-Jährige.

Hinweis auf Menschenrechte

In einem wegweisenden Urteil hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS am Mittwoch im Streit um Testosteron-Grenzwerte für Frauen den Einspruch der 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012 und 2016 abgelehnt. Damit kann die IAAF-Regel, in der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen festgesetzt werden, am 8. Mai in Kraft treten.

„Frauen mit intersexuellen Anlagen haben das gleiche Recht zur Würde und Kontrolle über ihren Körper wie andere Frauen“, meinte Liesl Gerntholtz, stellvertretende Generaldirektorin von Human Rights Watch. Es sei „zutiefst enttäuschend zu sehen, wie der CAS Regeln aufrecht erhält, die den Standards internationaler Menschenrechte direkt zuwiderlaufen“.

„Furchtbar unfair“ und „prinzipiell falsch“ findet Tennislegende Martina Navratilova das Verdikt der drei Sportrichter. „Allgemeine Regeln sollten nicht aus ungewöhnlichen Fällen abgeleitet werden, und die Frage von intersexuellen Athleten bleibt ungelöst“, sagte die 62-jährige US-Amerikanerin. Das südafrikanische Frauen-Ministerium fand noch drastischere Worte. Das Urteil habe einen „Beigeschmack von Sexismus und Rassismus“, hieß es in einem Statement. dpa