Sport

Boxen Athletinnen erheben gegen drei Trainer Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt

Staatsanwaltschaft ermittelt

Archivartikel

Stuttgart/Heidelberg.Die Vorwürfe wiegen schwer. Der Schritt für die betroffenen Boxerinnen aus Baden-Württemberg, ihre Trainer wegen sexualisierter Gewalt anzuzeigen, war bestimmt kein leichter. Wie die „Stuttgarter Nachrichten/Stuttgarter Zeitung“ sowie der „Spiegel“ berichten, wird einem beim Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) angestellten Boxtrainer sexueller Missbrauch vorgeworfen, zwei weitere Coaches werden ebenfalls wegen Handlungen im Bereich sexualisierter Gewalt beschuldigt.

„Wir befinden uns noch in einem ganz frühen Stadium und man muss sehr sorgsam mit dem Thema umgehen. Es gilt sowohl die Unschuldsvermutung als auch der Opferschutz“, sagt Michael Müller, der Generalsekretär des Deutschen Boxsport Verbandes. „Wir werden in unserem Rahmen die Dinge mit aller Konsequenz verfolgen.“

Zudem hat die Staatsanwaltschaft Heidelberg ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, wie ein Sprecher bestätigt. Zuvor waren bei Polizeidienststellen im Raum Stuttgart und Baden-Baden Anzeigen eingegangen. „Wir sind dabei, die entsprechenden Unterlagen zu sammeln und zusammenzufügen“, sagt der Sprecher, der jedoch keine Sportart nennen wollte.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, weshalb diese Behörde dafür zuständig ist. Beispielsweise, wenn ein Opfer in der Region wohnt, sich dort der Tatort befindet oder es aus mehreren Städten Anzeigen gibt – so wie in diesem Fall – und man die Ermittlungen zusammenfasst.

Daniel Strigel erklärt auf Nachfrage dieser Redaktion: „Zum Schutz aller Betroffenen kann ich keine Auskunft geben“, verweist der Leiter des Olympiastützpunktes Rhein-Neckar in Heidelberg auf die offizielle Sprachregelung. „Und selbst wenn es diese Line des LSV nicht gäbe, ich habe keine gesicherten Informationen über die genannten Vorgänge. Mir sind bislang nur Gerüchte zu Ohren gekommen“, hat der 45-Jährige erst jetzt aus den Medien Konkretes erfahren. „Ich bin fassungslos und schockiert – ohne weitere Informationen zu haben.“

Hamann hofft auf Aufklärung

Strigel wurde zumindest von der Ermittlungsbehörde noch nicht befragt. Vielmehr habe sich ein Polizist bei ihm erkundigt, ob er irgendetwas über Strafanzeigen gehört habe. „Doch dazu hatte ich nur ganz wenige Informationen“, verweist er auf die Pressemitteilung des LSV. Laut Recherche des Spiegels sollen mindestens fünf Boxerinnen betroffen sein, die unter anderem in Heidelberg in den Räumen des OSP trainiert haben. Dort ist der Bundesstützpunkt dieser olympischen Kernsportart beheimatet. Beide Institutionen arbeiten zwar zusammen, haben aber formal nichts miteinander zu tun.

Mittendrin steht hingegen Uwe Hamann, Präsident des Boxverbandes Baden-Württemberg. Der 60-Jährige bezieht im Gespräch mit dieser Redaktion Stellung zu den Vorgängen: „Ich bin kein Richter oder Staatsanwalt. Ich bin ehrenamtlicher Funktionär und hatte als solcher die Pflicht, auf die Vorwürfe zu reagieren. Das habe ich getan. Sofort nachdem ich informiert worden bin, wurden die beiden Trainer, die unserem Verband unterstellt sind, beurlaubt. Wir haben außerdem – wie es in den Richtlinien des Deutschen Olympischen Sportbundes vereinbart ist – die Heimatvereine informiert.“

Er reagiere auf das Thema sexualisierte Gewalt schon allein von Berufs wegen höchst sensibel: „Ich betreibe zwei Schwimmbäder. Da darf nicht der kleinste Verdacht auf eine unangemessene Berührung entstehen.“ Der ehemalige Federgewichtler (über 300 Kämpfe) ist seit fast 50 Jahren dem Boxsport verbunden und durchlebt nach eigener Aussage seine „schlimmste Zeit“. „Es ist meine Aufgabe als Präsident, mich schützend vor jeden Aktiven, jeden Trainer und den Vorstand zu stellen und Böses abzuwenden. Ich möchte, dass die Vorwürfe sauber aufgeklärt werden.“ (mit dpa)

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