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Fußball Der Titelverteidiger zeigt mit der Energieleistung gegen England, warum der Weg zum WM-Titel nur über die US-Girls führt / Torhüterin Naeher wird zur Heldin

Starke Einheit mit „fantastischen Alternativen“

Archivartikel

Lyon.Noch auf dem Rasen singen die US-Fußballerinnen ihrer Matchwinnerin ein Geburtstagsständchen. „Happy birthday, dear Alex“, tönt es aus vielen Kehlen. Die am Halbfinaltag 30 Jahre alt gewordene Star-Angreiferin Alex Morgan setzt ihr schönstes Lächeln auf, während die Teamkolleginnen ausgelassen um sie herumtanzen, klatschen und den Finaleinzug feiern. Fifa-Präsident Gianni Infantino bringt Morgan nach der Partie sogar persönlich ein Stück Geburtstagskuchen.

Kein Hollywood-Regisseur hätte den Dienstagabend in Lyon schöner für die Weltmeisterinnen in Szene setzen können. Am Sonntag (17 Uhr) im Finale in Lyon wollen sie ihren Titel dann erfolgreich verteidigen und den vierten WM-Coup perfekt machen. Bei Druckbeginn dieser Ausgabe war noch offen, ob es dann gegen Schweden oder die Niederlande geht. Das zweite Halbfinale ging am späten Mittwochabend in die Verlängerung.

„Wir haben im gesamten Turnier gezeigt, dass wir eine Einheit sind. Dieser Moment ist unglaublich“, schwärmte Morgan, die nach Toren von Christen Press (10. Minute) und dem zwischenzeitlichen 1:1 von Ellen White (19.) in der 31. Minute das Siegtor zum 2:1-Triumph gegen England markierte.

Aufsehenerregender Jubel

Für Aufsehen sorgte Morgan mit ihrer Jubelgeste nach dem Siegtreffer. Sie führte die Hand mit abgespreiztem kleinen Finger zum Mund, so als trinke sie aus einer Tasse. Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton gratulierte dazu, dass sich das Team „diesen Tee verdient“ habe. Die englische „Daily Mail“ mutmaßte, Morgan habe den Gegner aus dem Land der Tee-Liebhaber damit verspottet.

Neben Alexandra Morgan Carrasco, wie die Stürmerin von Orlando Pride mit vollem Namen heißt, wurde eine weitere Spielerin zur Heldin in diesem denkwürdigen Halbfinale: US-Torhüterin Alyssa Naeher parierte in der 84. Minute einen von Englands Spielführerin Steph Houghton geschossenen Foulelfmeter und verhinderte so eine mögliche Verlängerung oder gar einen Elfmeterkrimi. „Ich habe ihr gesagt: Das war dein Glanzmoment“, erklärte Trainerin Jill Ellis stolz.

Erst nachdem die fünfte Endspiel-Teilnahme ihres Teams bei einer Frauen-WM feststand, lüftete die 52-Jährige das bis zum erlösenden Schlusspfiff gehütete Geheimnis. Warum saß US-Star Megan Rapinoe nur auf der Bank? Dass die rebellische Frontfrau, die am Freitag 34 Jahre alt wird, in der Startelf fehlte und sich nicht einmal mit ihren Teamkolleginnen aufwärmte, hatte für wilde Spekulationen gesorgt. Die Auflösung war simpel. Rapinoe hatte leichte Oberschenkelprobleme, und Ellis wollte mit Blick auf das siebte Turnierspiel kein Risiko eingehen.

Zudem stand in der schnellen und defensiv sogar stärkeren Press für die linke Offensivseite ein ebenbürtiger Ersatz parat, was sich bereits nach zehn Minuten zeigte. Da entwischte die 31-Jährige von den Utah Royals der weltbesten Rechtsverteidigerin Lucy Bronze und köpfte ihr Team zur Führung. „Wir haben eine ausgeglichene Bank und fantastische Alternativen“, sagte Ellis. dpa