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Rückblick 2018 Das Jahr des SV Waldhof wird vom Spielabbruch in der Relegation geprägt, doch die Blau-Schwarzen dürfen inzwischen vom direkten Aufstieg träumen

SV Waldhof im Auf und Ab: Dem Eklat folgt neue Hoffnung

Archivartikel

Mannheim.2018 hätte das Jahr des SV Waldhof werden können. Der Mannheimer Fußball-Regionalligist erreicht Ende Mai als Tabellenzweiter gegen den West-Vertreter KFC Uerdingen zum dritten Mal in Folge die Aufstiegsspiele Richtung 3. Liga. Nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel von Duisburg besteht am 27. Mai noch Hoffnung, endlich in den Profi-Fußball zurückkehren zu können. Doch dieser Sonntag im Mannheimer Carl-Benz-Stadion geht als schwarzer Tag in die Geschichte des Traditionsclubs ein: Chaoten im SVW-Fanblock zünden beim Stand von 1:2 Unmengen an Pyrotechnik und provozieren so den Abbruch des Relegationsspiels.

An den Folgen dieses Eklats hat der Club lange zu tragen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verhängt mit einem Novum in seiner Rechtssprechung in zweiter Instanz einen Abzug von drei Punkten, der Verein erhält eine Geldstrafe von 25 000 Euro und zahlreiche Auflagen. Unter anderem müssen die organisierten Fans ihren angestammten Platz auf der Otto-Siffling-Tribüne räumen.

Kluge Transferpolitik

Auch finanziell schlägt das Skandalspiel ins Kontor. Anwaltskosten werden fällig, Sponsoren ziehen sich zurück – am Ende kommt so neben dem immensen Imageschaden nicht weniger als eine Million Euro zusammen, wie Waldhof-Mäzen Bernd Beetz auf der Jahreshauptversammlung im November vorrechnet. „Daran kann man ermessen, was uns diese Katastrophe gekostet hat“, betont Beetz auf der Mitgliederversammlung im Franziskussaal, auf der sich der 68-Jährige als einziger Kandidat zum Präsidenten wählen lässt und so seinen Einfluss auch im Hauptverein ausweitet. Mit Blick auf die Finanzen haben die Waldhof-Mitglieder nach dem Rücktritt von Klaus-Rüdiger Geschwill und dessen Team aber keine große Wahl. Schließlich steht auch nach der zweiten Saison als Spielbetriebsgesellschaft ein dickes Minus von über 600 000 Euro. Ohne die Familie Beetz wäre der SVW pleite.

Schon an diesem Umstand würden andere Regionalligisten zerbrechen, doch die Nachwirkungen des Skandalspiels samt Punktabzug und die finanziellen Anlaufschwierigkeiten wirken sich in keinster Weise auf dem Rasen aus – im Gegenteil.

Durch eine kluge Transferpolitik und eine konzentrierte Vorbereitung gelingt es Sportchef Jochen Kientz und Trainer Bernhard Trares, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die sich von den ganzen Nebengeräuschen nicht irritieren lässt und zur Winterpause auf Platz eins steht.

Mit Neuzugang Valmir Sulejmani spielt beispielsweise der Top-Torjäger der Regionalliga beim SVW (14 Treffer). Beeindruckend ist zudem die Waldhof-Serie auf fremden Plätzen: In elf Spielen gehen die Mannheimer zehn Mal als Sieger vom Platz, dazu kommt ein Unentschieden.

Auch bei den direkten Konkurrenten Saarbrücken, Steinbach und Ulm setzen sich die Waldhöfer durch, am 8. Dezember beschließt der SVW das Fußball-Jahr trotz Punktabzugs mit fünf Zählern Vorsprung an der Spitze der Regionalliga Südwest.

„Es ist schön, dass wir mit einem so guten Gefühl in die Winterpause gehen“, sagt Trainer Trares nach dem abschließenden 3:0 bei Hessen Dreieich und will Ende Februar genau da wieder anknüpffen. „Es geht nur über guten Fußball. Wir bleiben mutig und kreativ – dann werden sich die Ergebnisse einstellen“, kündigt der Coach an. Vielleicht wird ja 2019 das Jahr des SV Waldhof.

Info: Mehr unter morgenweb.de/svw

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