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Handball Nach ihrer Rückkehr gehört die gebürtige Mannheimerin zum Stamm des Nationalteams / Heute Vorrunden-Abschluss gegen die Niederlande

Svenja Hubers langer Weg zum WM-Glück

Leipzig.Im Teamhotel der deutschen Handballerinnen herrscht mal wieder Hochbetrieb. Nach dem überzeugenden 24:9-Sieg gegen China und vor dem letzten und entscheidenden Vorrundenspiel gegen die Niederlande (heute, ab 17.45 Uhr live bei Sport1) sind Bundestrainer Michael Biegler und seine Spielerinnen begehrte Gesprächspartner für den Medientross. Auch Svenja Huber steht den anwesenden Journalisten Rede und Antwort. Die Spielerin von Bundesligist Borussia Dortmund absolviert den Pflichttermin souverän und gibt bereitwillig Auskunft. „Das gehört halt dazu, wenn du eine WM spielst”, sagt sie und lacht.

Lob für unglaublichen Teamgeist

Dass es so weit überhaupt gekommen ist und sie im Alter von 31 Jahren ihre ersten Welttitelkämpfe bestreiten darf, muss nicht nur aus ihrer Sicht ein wenig unverhofft anmuten. Zwar spielte die Rechtsaußen bereits im vergangenen Dezember eine Europameisterschaft und gehörte zum Stamm der Mannschaft von Michael Biegler. Doch zwischenzeitlich hatte Huber ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. Aber das gehört in eine andere Zeitrechnung. „Es gab damals ein paar Dinge, die mir gar nicht gefallen haben”, sagt sie rückblickend, möchte aber heute keine schmutzige Wäsche mehr waschen. Doch wer genau zuhört, weiß sofort, was ihr damals missfallen hat. „Heute leben wir einen unglaublichen Teamgeist, gehen ehrlich miteinander um und schätzen uns sowohl sportlich als auch privat.” Will heißen: Das war offensichtlich damals anders.

Aber damals ist lange her. Nicht nur für sie. Seit Michael Biegler die deutschen Frauen trainiert, hat ein neuer Geist Einzug gehalten. Er hat seine Ladies – so nennt er seine Spielerinnen gern – gebeten, den Reset-Knopf zu drücken und sich von sämtlichen Altlasten freizumachen. Wer das nicht konnte, war draußen. Huber konnte. „Als er mich anrief”, sagt sie, „war ich heilfroh. Schließlich waren es keine sportlichen Gründe, die mich zum Rücktritt bewogen hatten.” Und dann brauchte Biegler ganze 30 Minuten, um sie vom WM-Projekt und allem, was danach noch kommen soll, zu überzeugen.

Der Weg, der die gebürtige Mannheimerin zur Heim-WM führte, war lang. Ihr Debüt in der Auswahl liegt bereits elf Jahre zurück, in der Zwischenzeit brachte sie es auf 36 Länderspiele, das waren etwa drei pro Jahr. Dass sie dabei mehr als 100 Tore warf, wird dabei leicht übersehen. Mag sein, dass es mit ihrer jeweiligen Vereinswahl zu tun hat. „Ich habe keinen Spielerberater und entscheide mich allein für den jeweiligen Club”, berichtet Huber. Das hat sie zwischenzeitlich in die 2. Liga nach Koblenz zum TuS Weibern geführt, nachdem das Kapitel mit den Trierer Miezen im Streit endete: „Da hatte ich vorübergehend die Lust am Handball verloren und ans Aufhören gedacht.”

Gott sei Dank nicht für lange. Und irgendwann rief Herbert Müller an, der mit dem Thüringer HC eine unglaubliche Erfolgsgeschichte schrieb. Im Dezember 2013 wechselte sie zum Meisterschaftskandidaten und gewann den wichtigsten deutschen Titel gleich drei Mal in Folge. „Das sind Medaillen, die möchte ich nie wieder hergeben”, sagt sie heute rückblickend. Und vielleicht folgt ja noch in diesen Tagen ein weiterer Titel mit der Nationalmannschaft. Wie es nach der Saison in Dortmund weitergeht, weiß sie gegenwärtig noch nicht. Ihr Vertrag läuft erst einmal nur bis zum Saisonende. Sie möchte gern bleiben, kann sich eine Verlängerung ihres Engagements bei den Schwarz-Gelben gut vorstellen. Viel Zeit für Privates bleibt nicht mehr. Ihre Dortmunder Wohnung teilt Huber mit Kater Louis und Katze Lilly. Und da der Zusammenhalt im Team des BVB groß ist, verbringt sie auch einen nicht unbedeutenden Teil ihrer Freizeit mit den Teamkolleginnen. Sie kocht gern, sie lässt sich gern in Restaurants verwöhnen und sie spielt Tennis mit Leidenschaft. Ob sie denn gut sei? Ihre Antwort ist ebenso knapp wie klar: „Manche sagen: Ja!”

In Mannheim, wo Mutter Sigrid und Oma Gisela leben, lässt sie sich aus Mangel an Gelegenheit nur noch selten blicken. Auch ihren Freundeskreis aus Heddesheimer Zeiten vernachlässigt sie unabsichtlich. „Noch im vergangenen Jahr waren wir alle gemeinsam auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt”, sagt sie. „Das wird in diesem Dezember wohl nicht gelingen.”