Sport

Timo Glock: „Wahrer Sieger ist die DTM“

Archivartikel

Hockenheim. Timo Glock gingen ganz schnell die Superlative aus. Der Sieger des Sonnntagsrennens im Deutschen Tourenwagen Masters auf dem Hockenheimring sprach nach seinem Erfolg und der Führung im Gesamtklassement vom „geilsten Rennen meiner Karriere“ und fand, „der wahre Sieger ist die DTM“.

Der BMW-Pilot beschrieb damit die beinharten aber fairen Zweikämpfe, die er sich Runde um Runde mit Mercedes-Rivalen Gary Paffett lieferte. Immer wieder wechselte die Führung, die Boliden berührten sich, es wurde geschoben und gedrückt. „Aber es ist alles immer fair abgegangen“, bestätigte Paffett, der den Lauf am Samstag gewonnen hatte und am Sonntag Dritter wurde, weil Mike Rockenfeller im Audi die Gunst der Stunde nutzte und Paffett in der letzten Runde noch überholte.

Bereits der Start war spektakulär, als die drei Mercedes-Piloten Edoardo Mortara, Lucas Auer und Daniel Juncadella Frühstarts hinlegten und so das Feld sofort durcheinandergewirbelt wurde. Paffett katapultierten die Fehler seiner Teamkollegen vom zehnten auf den fünften Rang. „Plötzlich hatte ich eine Chance auf den Sieg. Jedes Mal wenn ich Timo überholt hatte, dachte ich, jetzt müsste es reichen. Aber nein, er war immer wieder dran“, sprudelte es aus dem bestens gelaunten Paffett.

Dank an Aussteiger Ekström

Aus Glocks Sicht hatte ein weiterer Beteiligter großen Anteil daran, dass es ein Rennen zum Zunge schnalzen wurde: Mattias Ekström. Der Schwede hatte im Winter seinen Rücktritt erklärt, durfte aber mit einer Ausnahmegenehmigung außerhalb der Wertung starten. „Als ich meinen Freund Mattias Ekström in weiter Ferne gesehen habe, war mir klar, dass er mir mein Manöver aus dem vergangenen Jahr heimzahlen würde, als ich ihn im Finale nicht so einfach habe vorbeiziehen lassen“, erzählte Glock. „Gary hat er keine Probleme gemacht, mir schon ein bisschen. Aber ich muss mich bei Eki bedanken, denn ohne sein Manöver wäre es nicht zu diesem Duell mit Gary gekommen“, konnte der 36-Jährige die Aktion des zweifachen DTM-Champions mit einem breiten Grinsen kommentieren.

Auf die Aktion angesprochen, runzelte Ekström die Stirn: „Ich glaube nicht, dass ich sein Rennen gestört habe“, meinte der 39-Jährige mit einem Lachen in den Augen.

Bei den Duellen - nicht nur an der Spitze, sondern auch im Mittelfeld - machte sich das vor Saisonbeginn veränderte Reglement schnell bezahlt. Da an den Autos auf einige filigrane Spoilerteile verzichtet worden war, konnten sich die Autos berühren ohne das ein Reifen aufgeschlitzt oder wegen der fehlenden Teile der Anschluss verpasst wurde. „In der vergangenen Saison wäre das so nicht möglich gewesen“, bestätigte Glock auf Nachfrage.

Das Duell der DTM-Neulinge entschied Joel Eriksson (BMW) als Vierter für sich. „Joel hat eine Super-Quali hingelegt“, gestand Teamkollege Philipp Eng, der 14. wurde: „In dieser Serie ist null Raum auch nur für eine kleine Unaufmerksamkeit. So ein Rennen wie heute wollen die Fans sehen und wir Fahrer haben.“

BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt stimmte in dieses Loblied mit ein: „Das war ein Mega-Rennen und wirklich Werbung für den Motorsport. Die Zuschauer sind die Gewinner.“ Einen Seitenhieb auf Mercedes konnte sich der 50-jährige gebürtige Sindelfinger nicht verkneifen: „Ich hoffe, in Stuttgart kratzt man sich am Kopf“, sagte Marquardt und schaute auf seinen Kollegen Ulrich Fritz. Der überging in seinem Kommentar zum Rennen die Spitze. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärte Fritz: „Dieses Thema steht nicht zur Diskussion. Die Entscheidung ist getroffen, auch wenn ich eine emotionale Bindung zu dieser Serie habe. Viele haben uns schon totgesagt, aber für uns war klar, dass wir es in dieser Saison nicht ausrollen lassen werden.“ Das klingt nach einer Kampfansage - auch für das nächste Rennen auf dem Lausitzring in 14 Tagen. (jako)

Zum Thema