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Olympia Planungschef spricht von einem „Muss für die Menschheit“ / IOC-Präsident Bach will kommende Woche nach Japan reisen

Tokio kämpft verzweifelt um Sommerspiele

Archivartikel

Tokio.Die älteste Frau der Welt soll den Olympia-Machern von Tokio als Zeichen der Hoffnung dienen. Im Alter von dann 118 Jahren ist Kane Tanaka am 11. Mai 2021 als Trägerin der olympischen Fackel auf dem Weg zu den Sommerspielen in Japans Hauptstadt vorgesehen. So weit reicht in diesen Tagen also der Optimismus der Planer für das um ein Jahr verlegte Ringe-Spektakel. Trotz der in vielen Ländern wieder sprunghaft gestiegenen Corona-Infektionszahlen, den Zweifeln an der Durchführbarkeit ausstehender Qualifikationswettkämpfe und der Kostenrisiken treiben Gastgeber und IOC unbeirrt die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele voran.

„Ich möchte bekräftigen, dass die Ausrichtung der Spiele im nächsten Jahr mehr denn je ein Muss für die Menschheit ist“, sagt der Chef des Organisationskomitees, Yoshiro Mori. Die Formel von Tokio als „Leuchtfeuer der Hoffnung“ hat der 83 Jahre alte frühere Ministerpräsident von IOC-Chef Thomas Bach kopiert, der ebenfalls unermüdlich die Anstrengungen der Japaner zur Rettung der Spiele lobt. „Seien Sie sicher, dass wir einen Werkzeugkasten von Maßnahmen gegen Corona für alle erdenklichen Szenarien entwickeln“, beteuert der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees.

Gerüchteküche brodelt

In der kommenden Woche wird Bach Medienberichten zufolge wohl nach Tokio reisen, auch ein Treffen mit dem neuem Regierungschef Yoshihide Suga ist angeblich geplant. Prompt machten Gerüchte in japanischen Boulevardblättern die Runde, bei diesem Anlass solle die Absage der Sommerspiele verkündet werden. Warum sonst würden Bach und sein australischer IOC-Vize John Coates trotz der ernsten Corona-Lage und der Reisebeschränkungen den weiten Weg nach Tokio auf sich nehmen?

Wahrscheinlicher aber ist, dass der Besuch die hartnäckigen Zweifel der Japaner und vieler anderer am Olympia-Spektakel zerstreuen soll. Suga zumindest hatte kurz nach seinem Amtsantritt ein Bekenntnis zu den Tokio-Spielen abgelegt. Die Organisatoren setzen wie bei der jüngsten Eröffnung des Tokyo Aquatics Center für die olympischen Schwimmwettbewerbe ebenfalls auf Symbolpolitik.

Auftrieb verspürten die Olympia-Macher am vergangenen Wochenende durch einen Turn-Wettkampf, für den erstmals seit Monaten wieder internationale Top-Athleten nach Japan einreisten. „Das ist eine sehr wichtige Sache für die ganze Sportwelt“, rief Bach den 30 Sportlern aus Russland, China, den USA und Japan via Video-Botschaft zu.

Wohl ohne ausländische Fans

Alle ausländischen Teilnehmer hatten sich jedoch vorher in ihrer Heimat zwei Wochen in Quarantäne begeben müssen. Nach Ankunft wurden sie im Hotel nach Nationen strikt auf verschiedenen Etagen getrennt, durften nur zwischen Unterkunft und des Yoyogi National Stadiums pendeln. In der Halle wurden Wettkampfgeräte zwischen den Übungen häufig gereinigt und desinfiziert, die 2000 Zuschauer mussten Masken tragen und Abstand einhalten.

Ein Vorgeschmack auf die olympischen Wettbewerbe? Seit Wochen ringt eine Taskforce der Organisatoren um das Regelwerk für Spiele unter Corona-Bedingungen. Dabei geht es nicht allein um die 11 000 Sportler, sondern auch tausende Funktionäre, Helfer, Medienvertreter und nicht zuletzt um die Frage der Zuschauer. Derzeit gelten in Japan Einreiseverbote für einen Großteil der Welt.

Zumindest für alle direkt Beteiligten dürfte dieser Bann aufgehoben werden. Teams und Athleten könnten in viele einzelne Blasen aufgeteilt werden. Im Umfeld des olympischen Dorfes soll eine ambulante Versorgungseinrichtung für Corona-Fälle gebaut werden, in der Mensa wird es womöglich nur abgepackte Mahlzeiten für die Sportler geben. Ständige Tests und die Nutzung einer Corona-Warn-App könnten Pflicht sein.

Viele Details aber sind noch unklar. Für Dezember wird ein Zwischenbericht der Taskforce erwartet. „Das ist im Moment unmöglich zu sagen, was da im Einzelnen herauskommt“, sagt IOC-Chef Bach. Auf Basis der Notfallpläne soll es von März an Test-Wettkämpfe geben. Internationale Zuschauer aber könnten in Tokio auch im Sommer untersagt bleiben, wie auch Alfons Hörmann als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes einräumte.

Mit Erleichterung reagierten die Verantwortlichen in Tokio auf die jüngsten Nachrichten über erfolgreiche Impfstoff-Tests. Die Zeit aber läuft den Planern davon. Schon vorher hatte Bach gewarnt, für Olympia in Tokio werde ein Impfstoff kein „Allheilmittel“ sein. dpa

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