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Fußball Der FSV Mainz 05 überrumpelt die TSG Hoffenheim und gewinnt in Unterzahl verdient mit 5:1

Traumeinstand für Beierlorzer

Archivartikel

Sinsheim.Der Fußball schreibt manchmal kuriose Geschichten. Vor der Länderspielpause kostete Achim Beierlorzer die unglückliche 1:2-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim seinen Job beim 1. FC Köln, am Sonntagabend gelang dem neuen Trainer des FSV Mainz 05 ausgerechnet mit einem 5:1 (1:0) in Sinsheim ein Traumeinstand – und das trotz der Roten Karte für Ridle Baku (45.). Damit beendete Beierlorzer zugleich die Erfolgsserie von TSG-Coach Alfred Schreuder, der die letzten sechs Pflichtspiele gewonnen hatte.

„Meine Mannschaft hat zu zehnt eine unheimliche Leidenschaft gezeigt. Das kann man den Jungs gar nicht hoch genug anrechnen“, erklärte der glückliche Beierlorzer. „Die Erkenntnisse aus dem Spiel vor zwei Wochen habe ich natürlich nutzen können. Ich muss aber auch die Arbeit meines Vorgängers Sandro Schwarz loben.“ TSG-Torhüter Oliver Baumann stand die Enttäuschung nach der bitteren Heimklatsche dagegen ins Gesicht geschrieben. „Wir haben uns letztendlich selbst geschlagen. Fünf Gegentore sprechen für sich. Irgendetwas hat bei unserer Konterabsicherung nicht gestimmt“, haderte er.

Wenn das letzte Aufeinandertreffen zweier Trainer gerade einmal zwei Wochen zurückliegt, wird die Suche nach einer taktischen Überraschung schwieriger. Doch mit Schreuders Schachzug, Abwehrmann Kevin Akpoguma als linken Außenstürmer gemeinsam mit Ihlas Bebou und Jürgen Locadia in vorderster Reihe aufzubieten, war nun wirklich überhaupt nicht zu rechnen. Daher sorgte diese Personalrochade anfangs für ziemlich viel Verwirrung in der Mainzer Hintermannschaft.

Schon in der zweiten Minute hatte Locadia vor 23 129 Zuschauern die Führung für den Favoriten auf dem Fuß, doch FSV-Torhüter Robin Zentner parierte. Die TSG dominierte das Geschehen, während die Rheinhessen auf Konter lauerten. Pavel Kaderabek vergab die nächste gute Gelegenheit der Kraichgauer per Kopfball (9.), ehe kurz darauf die Taktik der Mainzer fast aufging. Jean-Paul Boetius tauchte in der zehnten Minute frei vor TSG-Torhüter Oliver Baumann auf – schob den Ball aber knapp neben den Kasten. Die nächste gefährliche Szene ereignete sich wieder vor dem Tor des Keller-Teams aus Rheinhessen. Pierre Kunde Malong klärte Sebastian Rudys Distanzschuss in letzter Sekunde knapp vor der Linie (15.).

Nach einer artistischen Direktabnahme von Kaderabek, die Zentner entschärfte (15.), wurde Mainz Minute um Minute mutiger – und in der 33. Minute lag die TSG plötzlich zurück. Levin Öztunali entwischte Robert Skov und erzielte die 1:0-Führung für die 05er, die im bisherigen Saisonverlauf nur beim Tabellenletzten Paderborn gewinnen konnten.

Rote Karte für Mainzer Baku

Hoffenheim, das ohne die verletzten Sargis Adamyan und Dennis Geiger (beide Oberschenkelprobleme) auskommen musste, ließ sich allerdings durch den Rückstand nicht aus der Ruhe bringen. Das Zielwasser fehlte jedoch weiterhin. Locadia köpfte in der 43. Minute nach einem Freistoß von Skov knapp vorbei. Dann schwächte sich der FSV selbst (45.). Ridle Bakus überhartes Einsteigen gegen Rudy an der Mittellinie bestrafte Schiedsrichter Bastian Dankert nach Ansicht der Videobilder zurecht mit der Roten Karte.

Beierlorzer, der von Beginn an sehr engagiert an der Seitenlinie gecoacht hatte, sprach seinen Schützlingen auf dem schweren Pausengang in die Kabine Mut zu – und zwar jedem Einzelnen, ehe er selbst nach einem kurzen Gespräch mit Referee Danckert in den Katakomben verschwand. Er brauchte im zweiten Durchgang einen neuen Matchplan – genau wie sein Gegenüber Schreuder, dessen Experiment mit Akpoguma nur in der Anfangsphase aufgegangen war. Der Niederländer reagierte mit Start der zweiten Hälfte, ersetzte „Akpo“ durch Torjäger Andrej Kramaric, der aufgrund seiner Kniebeschwerden zunächst auf der Bank gesessen hatte (46.). Das erste Signal zur erhofften Aufholjagd setzte aber Locadia per Kopfball (50.). Zwei Minuten später folgte indes der nächste Nackenschlag für die Kraichgauer. Nach einer Flanke von Jeremiah St. Juste köpfte Kaderabek den Ball ins eigene Tor – 0:2. In der 58. Minute zwang dann FSV-Profi Kunde Malong seinen eigenen Keeper zu einer Glanzparade, nachdem er eine Hereingabe von Florian Grillitsch per Kopf abgelenkt hatte.

Diesen Schnitzer hakte die Mainzer Nummer 14 allerdings schnell ab. In der 62. Minute vollendete Kunde Malong einen perfekten Konter zum dritten FSV-Treffer. Es war der K.o-Schlag für Hoffenheim. Daran änderte auch der Anschlusstreffer durch Kramaric nichts mehr (83.). Boetius (90.) und Kunde Malong (90.+3) sorgten für den Endstand – und verdeutlichten die Hoffenheimer Abwehranfälligkeit.

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