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Ski alpin Stefan Luitz kostet sein spektakuläres Comeback nach seinem Verletzungsjahr voll aus

Unvollendet – das ist vorbei

Beaver Creek.Auf solche Glücksmomente haben Stefan Luitz und das deutsche Skiteam jahrelang gewartet – und nach den Rückschlägen der jüngsten Tage und Wochen war der Coup des famosen Rückkehrers noch befreiender. Der erste Weltcup-Sieg in Beaver Creek, eine wilde Schampusdusche auf dem Podium, Erinnerungsfotos mit einem Adler und Glückwünsche von Kollegen und Kontrahenten: Der 25-jährige Allgäuer kostete nach dem Sieg am Sonntag alles aus. „Es ist unbeschreiblich“, sagte Luitz, dessen Grinsen nach dem Happy End einer fast einjährigen Verletzungspause breiter nicht hätte sein können. Für den DSV war der Sieg vor allem nach dem Saison-Aus von Thomas Dreßen viel wert.

„Unglaublich, das war wirklich ein Wahnsinns-Comeback“, lobte Bundestrainer Mathias Berthold, „jetzt haben wir eine Riesen-Gaudi“. Dank Luitz sowie Viktoria Rebensburg und Kira Weidle, die am Wochenende in Lake Louise zwei dritte Plätze einfuhren, lässt sich der Rückkehr nach Europa mit den anstehenden Rennen in Val d’Isère (Männer) und St. Moritz (Frauen) viel entspannter entgegenblicken.

Vor allem Luitz’ Story liest sich wie ein Märchen: Im Dezember 2017 war er in bestechender Form, als er sich das Kreuzband riss und den Rest des Olympia-Winters verpasste. In der Reha aber ackerte er fleißig, motiviert auch vom Kitzbühel-Sieg Dreßens. „Das war ein sehr harter Weg. Man muss geduldig sein. Aber ich habe gewusst, dass ich stärker zurückkommen kann“, sagte der Sportler vom SC Bolsterlang.

Schwerer und steiniger Weg

„Stefan ist es von Herzen zu vergönnen, weil er einen der schwersten und steinigsten Wege im Weltcup hatte“, sagte der österreichische Olympiasieger und Riesenslalom-Dauerchampion Marcel Hirscher, der in den Rocky Mountains Zweiter wurde. Neureuther stellte ein Foto online, das die beiden Teamkollegen im Dezember 2017 nach ihren Kreuzbandrissen zusammen in einem Klinikbett zeigt. „Das war vor fast einem Jahr und jetzt stehst du ganz oben auf dem Podium“, schrieb Neureuther zu dem Instagram-Eintrag. „Glückwunsch mein Freund.“

Neben Verletzungen – der Kreuzbandriss aus der Vorsaison war bereits der zweite in Luitz’ Laufbahn – hatten den Sportsoldaten auch immer wieder vermeidbare Fehler zurückgeworfen. Mit schusseligen Patzern ließ Luitz viele Top-Platzierungen und gar Siege liegen, bei Olympia in Sotschi etwa fädelte er im ersten Lauf nach Top-Zwischenzeit am letzten Tor völlig unnötig ein. Vor drei Jahren vergab er just in Beaver Creek den möglichen Sieg kurz vor dem Ziel. Alpin-Chef Maier bezeichnete seinen Schützling lange als den „Unvollendeten“.

Die Zeiten aber sind vorbei, nach Max Rieger 1973 in Mt. St. Anne (Kanada) und Neureuther 2014 in Adelboden (Schweiz) trug sich Luitz als dritter Deutscher in die Riesenslalom-Siegerliste des Weltcups ein. „Vielleicht brauchen manche Dinge eine gewisse Reife“, sagte Maier und ergänzte lachend: „Jetzt ist er erstmal vollendet.“