Sport

Corona Amateure und Sportverbände schlagen Alarm

Vergebliche Hoffnungen

Berlin.Tausende Amateur- und Freizeitsportler, Vereine oder Verbände werden vor den Corona-Beratungen der Politik wieder hoffen – vermutlich vergebens. Zwar mahnen der DOSB und die Landessportbünde Lockerungen und eine schnellstmögliche Wiedereröffnung aller bundesweiten Spiel- und Sportstätten an, zwar warnen Athletenvertreter und Fachverbände vor weitreichenden Folgen der pandemiebedingten Beschränkungen vor allem für Kinder und Jugendliche. Und doch wird es bei den Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder am Montag wohl nicht um Aufweichungen des Teil-Lockdowns gehen – im Gegenteil.

Erst am 23. November soll entschieden werden, ob der auf November befristete Teil-Lockdown in der Corona-Pandemie vor Weihnachten verschärft werden muss oder teils gelockert werden kann. Mehrere Länder plädierten bei einer Vorbesprechung mit dem Kanzleramt am Sonntag dafür, vor weitreichenden Entscheidungen eine weitere Woche die Entwicklung bei den zuletzt auf hohem Niveau stagnierenden Corona-Infektionszahlen abzuwarten.

Verlust einer ganzen Generation?

Betroffen sind der Profisport und der Amateur- und Freizeitsport gleichermaßen. Ein Dilemma, auf das Athletensprecher Max Hartung immer wieder hinweist. Zum einen blickt der Säbelfechter mit großer Sorge auf die Sicherheit oder die Einkommenssituation vieler Spitzensportler. Zum anderen befürchtet der 31-Jährige den Verlust einer ganzen Sportlergeneration. „Viele junge Sportler könnten es vorziehen, ihr Talent lieber in andere Bereiche zu stecken. Was gerade verloren geht, wird erst Jahre später sichtbar werden“, sagte Hartung. Ähnlich äußerte sich Turner Marcel Nguyen auf die Frage, ob er befürchte, dass dem Turnen durch die Schließungen der Hallen Talente verloren gehen könnten, „Ich habe definitiv die Befürchtung“, sagte der zweimalige olympische Silbermedaillen-Gewinner im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

In der vergangenen Woche baten der Deutsche Fußball-Bund und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die Politik um Lockerungen der Corona-Einschränkungen im Amateurbereich – vor allem für Kinder und Jugendliche bei Sport unter freiem Himmel. Sport und Bewegung seien „wichtiger Bestandteil der Bildung“ und Sporttreiben nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung hieß es in einem Offenen Brief des DOSB.

Verschärfungen in Bayern

Doch die allgemeine Tendenz geht eher in Richtung Verschärfungen. So hat Bayerns Staatsregierung zuletzt sämtlichen Freizeitsport in der Halle mit sofortiger Wirkung untersagt – auch den, den es kurz zuvor noch für ungefährlich hielt, wie etwa Tennis oder Reiten. „Wir haben für diese überhastete Maßnahme kein Verständnis – die Volksseele unserer Sportlerinnen und Sportler, Sportvereine und Sportfachverbände brodelt“, erklärte daraufhin Jörg Ammon, der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV). 

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