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Ski Nordisch Auch wenn das Karriereende schon etwas zurückliegt, bestimmt der Skiprung-Weltcup weiter Dieter Thomas Rhythmus

Verliebt in Schnee und Schanze

Archivartikel

Hinterzarten.Neulich hat sich Dieter Thoma den Meniskus eingerissen. „Das darf man eigentlich niemandem erzählen“, sagt der frühere Weltklasse-Skispringer und lacht. Auf dem Golfplatz sei das passiert, beim Ballholen. „Ich bin unterm Zaun durchgeklettert und dann hat es geknackt.“

Das Problem: Auch nach der aktiven Karriere und ohne sportlichen Leistungsdruck fehlt dem Schwarzwälder die Zeit für die nötige Operation. Thoma tourt als TV-Experte mit dem Skisprung-Zirkus um die Welt, arbeitet im Sportmarketing, hält Vorträge und organisiert Golfturniere für wohltätige Zwecke. An diesem Samstag wird der Team-Olympiasieger 50 Jahre alt.

Sich zurücklehnen und es mal etwas ruhiger angehen zu lassen, kommt für ihn nicht infrage. Skispringen – die Sportart, der Thoma so viel zu verdanken hat und die er in den 1990er Jahren mitbestimmte – ist nach wie vor seine große Leidenschaft.

Ein Leben aus dem Koffer

„Ich habe es von klein auf gelernt, mich verliebt in den Schnee und die Schanzen. So eine gefestigte Leidenschaft kann man auch mit 50 Jahren nicht so einfach aufgeben“, sagt Thoma. „Warum auch?“ Für Martin Schmitt, der mit Thoma in dessen Abschieds-Saison 1999 Team-Gold bei der WM in Ramsau holte, ist er „noch immer ein fester Bestandteil der Skisprung-Familie“.

Ständig auf Achse sein, aus dem Koffer leben – das lässt Thoma bis heute nicht los. „Wenn ich mal zwei Wochen am Stück zu Hause sitze, werde ich ungemütlich“, sagt er. Durch den Sport habe er „eine andere Welt kennengelernt“ und viel für sein Leben mitgenommen.

Ein Erfolg hat ihn besonders geprägt. Nachdem Thoma die Umstellung vom Parallel- auf den V-Sprungstil zunächst nicht gelingen wollte und er 1993 von der WM nach Hause geschickt wurde, kämpfte sich der Hinterzartener zurück. Bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer triumphierte er mit der Mannschaft und holte im Einzel Bronze. „Das war vielleicht der wichtigste Punkt in meinem Leben“, sagt Thoma heute. „Ich habe mir selbst bewiesen, dass ich mich wandeln kann. Das hat mich nachhaltig verändert.“

Thoma, der 1989/90 die Vierschanzentournee gewann, Skiflug-Weltmeister wurde und im Weltcup ganz vorne war, will mit der Zeit gehen, keinen Skisprung-Trend verpassen. Als Fernsehexperte will er den Zuschauern das Neue erklären, nicht über früher schwadronieren. „Er schaut nicht zurück, sondern investiert viel, um immer auf dem neuesten Stand zu sein“ – so beschreibt ihn Schmitt. Und auch Deutschlands bis dato letzter Tournee-Champion Sven Hannawald sagt: „Wenn Dieter etwas anfängt, dann hat das Hand und Fuß. Dann macht er das nicht nur halb oder aus dem Couchsessel.“

Intensivste Zeit des Jahres

Weit weg vom Sofa, nämlich an der Schanze wird Thoma auch viele Springen der kommenden Saison wieder verfolgen. In einem Monat zieht der große Skisprung-Zirkus wieder los.

Nicht nur für Markus Eisenbichler, Ryoyu Kobayashi und Co. beginnt dann die intensivste Zeit des Jahres. Auch für Dieter Thoma wird die Suche nach einem OP-Termin nicht einfacher.

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