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Fußball Sandhausen düpiert Stuttgart im Südwest-Duell mit 2:1 / Mario Gomez bekommt drei Tore aberkannt

VfB-Albtraum am Hardtwald

Sandhausen.Mario Gomez und der Videobeweis werden so schnell keine Freunde mehr: Gleich drei Mal wurde der frühere Nationalstürmer des VfB Stuttgart bei der überraschenden 1:2 (0:2)-Niederlage im kurpfälzisch-schwäbischen Derby beim SV Sandhausen zurückgepfiffen, weil er sich bei seinen vermeintlichen Treffern jeweils im Abseits befand. „Ich war schon ein Freund des Videobeweises, weil ich dachte, es wird gerecht. Aber für uns Stürmer ist es eine Katastrophe“, wütete Gomez bei Sky. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat sah es nüchterner.„Ich hätte mir gewünscht, dass er zwei, drei Zentimeter weiter hinten gestanden wäre. Die Entscheidungen waren aber korrekt, deswegen haben wir den Videoschiedsrichter.“.

Während die Stuttgarter in einem gefühlten Heimspiel einen weiteren Rückschlag im Kampf um den Wiederaufstieg hinnehmen mussten, knüpfte der SVS an seine starken Leistungen der Vorwochen an und ist nun seit mittlerweile fünf Spielen ungeschlagen. „Natürlich haben wir heute auch Glück gehabt“, gab Trainer Uwe Koschinat zu, „aber das ist ein großer Sieg für uns. Die Kulisse war außergewöhnlich und meine Mannschaft ist mit der Situation wunderbar zurechtgekommen.“

Kritik an Rückkehrer Förster

Anders stellte sich die Situation für Philipp Förster dar. Der Mittelfeldspieler hatte sich die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte – Förster wechselte erst am letzten Tag der Transferperiode ins „Ländle“ – sicher schöner vorgestellt. Sein Trainer Tim Walter fand: „Er kann bessere Leistungen abrufen, als er es heute getan hat. Ich hatte das Gefühl, dass er auf dem Platz versucht hat, etwas Außergewöhnliches zu zeigen. Dadurch hat er seine eigentlichen Aufgaben vernachlässigt.“ Nachlässig und schläfrig präsentierten sich die Stuttgarter vor 13 689 Zuschauern gleich in der ersten Minute: Nach einer Flanke von Ivan Paurevic setzte Kevin Behrens seinen Schuss noch an die Latte. Den Abpraller verwertete Aziz Bouhaddouz zur 1:0-Führung. Dann positionierte sich der ehemalige Nationalstürmer Gomez zum ersten Mal regelwidrig, so dass er beim Torjubel von Schiedsrichter Harm Osmers ausgebremst wurde.

Der SVS spielte gegen den großen Favoriten munter mit und setzte schon früh auf überfallartige Konter. „Wir wollten gut in das Spiel reinkommen und das hat geklappt. Die Führung hat uns in die Karten gespielt“, sagte SVS-Kapitän Diekmeier, der unermüdlich die rechte Seite beackerte und sich auch mit den über 7000 VfB-Anhängern sowie Ex-Mitspieler Förster anlegte: „Auf dem Platz kenne ich keine Freunde, aber ich mag solche Spiele. Nach dem Abpfiff können wir dann gerne wieder miteinander reden.“

Nach 24 Minuten war die Stuttgarter Defensive zum zweiten Mal nicht auf der Höhe und kassierte nach einem ruhenden Ball den nächsten Treffer. Bouhaddouz hatte im Durcheinander im Strafraum der Schwaben den Überblick behalten. Allmählich kamen die Gäste danach ins Rollen, aber Sandhausens Schlussmann Martin Fraisl lieferte eine starke Leistung ab. Und wenn er mal geschlagen war, wie in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit gegen Gomez, dann war immer noch der Videoschiedsrichter zur Stelle.

Kölner Keller schaltet sich ein

Im zweiten Durchgang konzentrierte sich der SVS auf die Verteidigung des eigenen Sechzehners. Stuttgart rannte zwar an, musste aber bis zur 89. Minute warten, ehe Silas Wamangituka der Anschlusstreffer gelang. Diesmal schaltete sich der Kölner Videokeller zugunsten der Stuttgarter ein und wertete ein Handspiel von Tim Kister als strafwürdig. Zuvor hatte Gomez zum dritten Mal im Abseits gestanden (71.). Der 34-jährige Routinier erlebte am Hardtwald einen Albtraum-Nachmittag.

Die Wende gelang der Walter-Elf nicht mehr. „Das Tor ist zu spät gefallen“, ärgerte sich der Coach, der seine Mannschaft nach der ordentlichen Leistung im Derby gegen den Karlsruher SC (3:0) wieder aufrichten muss: „Wir müssen mit dem Ergebnis leben. Jetzt bleibt uns erst einmal die lange Nase.“

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